Flüchtige Ahnung
Was für eine Stadt! Gegen 23 Uhr arbeitet sich die Berichterstatterin einsam, Pfeifen hilft, am Parkrand entlang zum nicht minder leeren Boulevard, der eine Art Zentrum markiert. Beate Uhse und Rossmann flimmern verlassen vor sich hin, letzte Kunden drängeln am Tresen von McDonald’s. Vom stillen Hotel aus der Blick auf den stillen Opernplatz – kein Mensch, kein niemand, keine Maus. «Es ist mir entfallen, warum wir uns hier treffen», grübelt Giacinta, eine der Damen im hier gar nicht so wilden Sommer. Ja, warum?
Es muss einen Grund gegeben haben für die Wahl gerade dieses Stückes.
Vielleicht, dass das Theater drohender Depression im nasskalten November mit der Beschwörung südländisch wärmender Ferienlust widerstehen wollte. Denkbar auch, dass Katja Paryla in dieser Ansammlung sprunghaft verknappter Dialogfetzen die Herausforderung aufspürte, ein noch heterogenes Ensemble in der schweren Kunst des Zusammenspiels zu trainieren. Was das angeht, ist einiges gelungen. Überstrahlt von anmutig wechselndem Licht ist ein Trupp von meist fünfundzwanzig Schauspielern rhythmisch schön gleichgestimmt in Aktion, wabert von Stübchen zu Stübchen, quillt über die geschwungene Wendeltreppe, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wird Basel Provinz?», fragte das städtische Theater jüngst in einer Podiumsrunde. Und wer die Basler kennt, ihren Stolz auf die ortsansässigen Global Players aus der Pharma- und Kulturindustrie, ihren inneren Drang nach Weltoffenheit, der eine Mischung ist aus Sehnsucht und Selbstdarstellung – der kann sich vorstellen, dass sie keine Antwort auf diese Frage mehr...
Wenn Kalle auftritt, hat die Regie sein Schicksal schon besiegelt: Sein Kopf ist nur noch ein geschwollenes, verbeultes Etwas aus Blut, Wunden und allem, was nach zahllosen Tritten und Schlägen noch übrig bleibt. Mit dem maskenbildnerischen Meisterwerk (Andreas Müller/Franziska Becker) wäre die Geschichte allerdings auch schon zu Ende
erzählt. Ein gutsituierter...
Stopp I
Die Dresdner «Weber»-Inszenierung von Volker Lösch hat umfassende juristische Aktivitäten ausgelöst. Ausgangspunkt sind in den Original-Text eingefügte Passagen Dresdner Arbeitsloser, die als Laienchor gegen Hartz IV, Politiker und Besserverdiener wettern, das «Schröderschwein» anprangern, Ministerpräsident Georg Milbradt eine «blöde Sau» nennen und den...
