Das Phantom der Freiheit
Das ist kein Hörspiel», raunte die Stimme. «Das ist die Wahrheit!» In diesem Moment ahnte man es bereits: In der kurzen Pause, die entstand, während das Tonband weiterleierte, einem fahrigen, immer wieder vom Knacken der Stopp- und der Aufnahmetaste unterbrochenen Selbstgespräch entgegen, nahm ein Phantom Gestalt und Namen an, das der Wettbewerb sich hätte erfinden müssen, wenn – ja, wenn im November 2001 nicht Andreas Jacke aufgetaucht wäre, dessen in simpler Stop-and-go-Dramaturgie auf eine Kassette gesprochener Stegreifmonolog «Lonely» so nervtötend wie faszinierend war.
Jackes klingendes Tagebuch kam nicht gewollt und nicht gekonnt daher und verebbte immer wieder in resignierten Seufzern, weil es nichts mehr zu sagen gab. So wurde das Zuhören zur Strapaze, wegzuhören aber war kaum möglich, denn bei diesem Stück konnte niemand wissen, was als nächstes geschehen würde.
Dreimal ist Andreas Jacke seither in die Endrunde des PLOPP!-Wettbewerbs für freie Hörspielmacher gelangt, den die Berliner Akademie der Künste zusammen mit dem Hörverlag alljährlich ausschreibt. Dreimal ließ das Publikum ihn bei der Abstimmung durchfallen. Kaum einer der Juroren aber, welche die Vorauswahl für den ...
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Stopp I
Die Dresdner «Weber»-Inszenierung von Volker Lösch hat umfassende juristische Aktivitäten ausgelöst. Ausgangspunkt sind in den Original-Text eingefügte Passagen Dresdner Arbeitsloser, die als Laienchor gegen Hartz IV, Politiker und Besserverdiener wettern, das «Schröderschwein» anprangern, Ministerpräsident Georg Milbradt eine «blöde Sau» nennen und den...
Rasant geht es los mit Goethes freiheitsdurstigem Ritter von Berlichingen. 22 war er, als er den Ur-«Götz» schrieb, den mit dem Zitat. Klipp-klapp folgen kurze Szenen aufeinander, akzentuiert durch Musik, aus dem Off werden die Orte angesagt, keine Umbauten. Die Einheitsbühne ist wandelbar; ein abstrahierter Säulengang, zwei verschieden tief gesetzte Plattformen...
Der Künstler, den wir heute ehren, hat sich hier in Hamburg auf eine so eigene wie rätselhafte Weise vorgestellt – ganz ungerührt und in sich ruhend schien sie, diese Vorstellung, und hat doch einen großen Teil des Premierenpublikums so empört, dass man es mit der Angst bekam. Denn eine so lautstarke Wildheit gönnen sich die Anrainer der Elbvororte ja nicht alle...
