Flucht nach vorn

Sibylle Berg «In den Gärten oder Lysistrata Teil 2», Friedrich Dürrenmatt «Der Besuch der alten Dame. Auftritt der Enkelin» am Volkstheater München

Theater heute - Logo

Aus der Zukunft auf die Gegenwart zurückzu -blicken, kann beruhigend wirken – nach dem Motto: zum Glück haben wir das hinter uns gelassen! –, aber auch die Depression verstärken, wenn man sieht, dass es womöglich nicht viel besser gekommen sein wird. Warum also all der K(r)ampf?

Es ist ein zorniger Blick zurück, den Sibylle Berg in ihrem Stück «In den Gärten oder Lysistra -ta Teil 2» aus einer «politisch korrekten, veganen, durchgegenderten Gegenwart» auf die noch von erbitterten Machtkämpfen der Geschlechter gezeichnete Gesellschaft von heute wirft.

Ein Blick, der seit der Uraufführung 2019 in Basel nichts von seiner selbstverletzenden Schärfe verloren hat. Wobei das Gender-Verbot an bayerischen Behörden und Schulen, das kurz vor der Premiere von Christian Stückls Neuinszenierung am Münchner Volkstheater im März verkündet wurde, Bergs Zukunftsvision wieder in etwas weitere Ferne rückt.

Was also wäre, wenn wir den ganzen toxischen Beziehungsballast endlich abgeschüttelt hätten, keine gläserne Decke mehr, kein Gender Pay Gap, keine Diskriminierung, ja sogar keine Männer mehr? Denn die sind hier mangels Ehrgeiz und Kampflust – «Wir gestehen uns ein, dass es uns nie Freude gemacht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2024
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Geliebter Gegner

Kurz vor dem Ende werden zwei Darstellerinnen – eine ist die Regisseurin selbst – an Metallhaken an ihrem Rücken emporgehievt. Man hat zuvor auf einem Screen am Bühnenrand gesehen, wie ihnen diese Metallteile in die Rückenhaut eingepflanzt wurden. Zugleich halten sie sich aber an zwei riesigen Donnerblechen fest, die jeweils frontal zu ihnen im Bühnenhimmel...

Nicht nur eine Frage des Geldes

In Anita Vulesicas Inszenierung von «Die Gehaltserhöhung» ist das Bühnenbild so hässlich wie das BVG-Design, der örtliche ÖPNV. Okay, es ist nicht Gelb-Schwarz, sondern Orange-Grau, aber sonst gibt es in der Kammer des Deutschen Theaters in Berlin wenig Raffinesse, dafür viel schnöde Funktionalität. Zwei Fahrstühle, ein Geländergang hinter Plexiglas, links und...

Wahnräume

Woyzeck steht da, alleine, verzweifelt, psychotisch. Die Mauern, die eben noch einen Raum ergaben, fahren um ihn zusammen und umschließen ihn. In den Wänden gibt es viele Türen, viele Wege, doch nun sind alle geschlossen. Woyzeck verschwindet im Kerker. Zuvor hatte er Marie stehen lassen, ihr seine paar Groschen Zulage zukommen lassen, doch sie will eigentlich...