Die Erschöpfung der Frauen

Anna Gschnitzer «Capri» (U), Gudarzi, Steinbuch/Köck, Wentz, Woelfl «Im Glashäusl» im Schauspielhaus Wien

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Die Protagonistin von «Capri» ist eine Schriftstellerin mit Schreibkrise. Der Verlag wartet auf den neuen Roman, der Vorschuss ist beinahe aufgebraucht, doch sie ist einfach zu erschöpft zum Schreiben. Sie lässt sich medizinisch durchchecken, macht eine Therapie, aber nichts hilft. Dass sie nachts Erscheinungen hat – ein kleines Mädchen sitzt in ihrer Küche und trinkt Orangensaft –, hat sie ihrer Therapeutin übrigens verschwiegen; am Ende glaubt die noch, sie sei verrückt!

Irgendwann kommt der Autorin der Verdacht, ihre Erschöpfung könnte eine größere Dimension haben.

«Vielleicht habe ich die Erschöp -fung der Frauen-Generationen vor mir geerbt, die Erschöpfung meiner Mutter, die meiner Großmutter, die meiner Urgroßmutter usw., weil sie als Frauen ihrer Klasse nicht das Privileg hatten, sich erschöpft fühlen zu dürfen?» Einmal, auch das ist hier ganz selbstverständlich möglich, kommt sie mit ihrer Eizelle ins Gespräch, die sie auf den unsichtbaren Drei-Generationen-Treff im Körper von Frauen hinweist, die mit Töchtern schwanger sind: Im Uterus der Mutter befindet sich der Fötus der Tochter – und im Fötus bereits die Eizelle, aus der potenziell ein Enkelkind wird.

In einer ...

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Theater heute Juli 2024
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Wolfgang Kralicek

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