Flaschenpost aus einer nahen Zukunft
Sibylle Berg gehört zu den meistgelesenen deutschsprachigen Autor:innen der Gegenwart. Ihre Stücke laufen an zahlreichen Stadttheatern, ihre Romane stehen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Sie wurde vielfach ausgezeichnet. Neben ihrer literarischen Arbeit engagiert sie sich zunehmend politisch.
Sie ist für Die PARTEI tätig und seit 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments, wo sie (laut ihrer eigenen Website) versucht, im Rahmen sehr beschränkter Möglichkeiten über die kommenden Überwachungsmaßnahmen zu informieren, Wissenschaftler:innen eine Bühne zu geben, Armut und Diskriminierung zu bekämpfen. Und ihre Vision eines neuen Gesellschaftssystems nach der friedlichen Abschaffung des Kapitalismus zu erläutern. In ihren Texten verhandelt sie seit jeher, was auch politisch auf dem Spiel steht.
«Es ist dunkel. Wie immer. Und angenehm.» Mit diesen Sätzen beginnt «Ein wenig Licht. Und diese Ruhe.», Sibylle Bergs neues Theaterstück, geschrieben anlässlich einer Retrospektive zum Werk des kanadischen Künstlers Jeff Wall. Inspiriert ist der Text insbesondere von dessen Fotografie «Fieldwork», die einen Archäologen bei Ausgrabungen auf dem Gelände eines ehemaligen Dorfes der Sto:lo Nation ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Valerie Göhring
Ich glaube, das Gebot der Stunde lautet Kooperation, im Gegensatz zu einer Gesinnung, in der es als Erfolg gilt, sich die Welt Untertan zu machen. Das 20. Jahrhundert ist noch nicht lange her, und es wuchert noch kräftig zu uns herüber. Angesichts der globalen Bedrohungslagen unseres Jahrhunderts ist jedoch Kooperation die einzig logische Schlussfolgerung –...
Die Kunst sei «folgenlos, nicht wirklich wirkend». Starke Worte – geäußert hat sie niemand anders als Carl Hegemann, der kürzlich viel zu früh verstorbene legendäre Dramaturg, Autor, Professor, Gedankensprüher, Volksbühnenheld, Vielredner (s. TH 07/2009). Sein Gewährsmann heißt Friedrich Schiller. Die Folgenlosigkeit sei der hohe Preis, den die Kunst bezahlen müsse...
Wie die gute Laune behalten innerhalb einer multiplen Krise? Vielleicht gar nicht. Der Aktivist und Künstler Christophe Meierhans meinte schon 2022, man müsse erstmal richtig im Tal unten ankommen und die Lage akzeptieren, um wieder starten zu können. In der Floating University hatte er damals in Anlehnung an Techniken der Stoiker eine Meditation entwickelt, bei...
