Empathie und Suppe
Ich musste an die Lebenswert-Liste des «jetzt»-Magazins denken. Eine Stichwort-Aufzählung von Gründen, weshalb diese Woche lebenswert sei. Die Liste speiste sich aus den Einsendungen junger Leser:innen und wurde in den neunziger Jahren jede Woche auf der letzten Seite des Magazins gedruckt. Für den unglücklichen Teenager, der ich war, war sie eher eine «Das-Leben-das-ich-leben-will»-Liste.
Ich wuchs auf in Germering, eine Schlafstadt, die für bayerische Verhältnisse von außergewöhnlicher Hässlichkeit ist. 40.
000 Einwohner:innen, eine lieblose Ansammlung von Plattenbauten, uniformen Reihenhaussiedlungen und sieben Kirchen.
Wenn es was zu feiern gab, wie beispielsweise den Gewinn einer Fußball-EM, trafen sich die Germeringer:innen im Stadtzentrum – das war ein Kreisverkehr neben der Bahnhofsunterführung. Am Bahnhof geriet ich mehrmals in Schlägereien.
Weil ich ein Mädchen war, verboten mir meine Eltern das Fußballtraining. Stattdessen ging ich in die örtliche Blaskapelle. Übrigens das einzige kulturelle Angebot in der Stadt, neben der Leihbücherei. Dort las ich alles, was ich in die Finger kriegte. Und diese Lebenswert-Listen von «jetzt».
Hängemattenfreundschaft
Die Leser:innen, die ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 97
von Raphaela Bardutzky
ch halte meine Nase in den Wind. Ich atme ein. Ich schließe die Augen. Die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht. Würdest Du neben mir stehen und mir direkt ins Gesicht schauen, würdest Du sehen: jedes einzelne kleine Härchen auf meiner Haut strahlt goldentransparent. Ich konzentriere mich auf das Rauschen des Windes. Ich glaube, es zu hören, wie es sich um...
Okay, los geht’s, hier also meine kleine persönliche Liste von Dingen, die mir in Zeiten emotionaler oder politischer Unsicherheit Halt, Zerstreuung, Trost, oder gute Laune spenden, je nachdem, was grad gebraucht wird:
1. Der Habermannsee in Kaulsdorf-Nord
Ist schon immer ’ne kleine Reise dahin (mit der U-Bahn bis zum Elsterwerdaer Platz und dann mit dem Bus...
Es passiert selten, dass eine Theaterfigur sich tief einbrennt in die Erinnerung. Dass sie binnen einer Aufführung ganz und gar Mensch zu werden scheint. Ehrlich, unverstellt und durch und durch. Voller Schmerz und voller Scham und ganz ohne Kitsch. Moritz Kienemann ist das gelungen. In seiner Darstellung der, oder besser in seinem Werden zur Figur des Eugen...
