Die Alltäglichkeit des Verlusts
Die Bühne ist ein großes Schweigen» in Paula Kläys Stück «Gewölk». Es kann erst beginnen, wenn eine gewisse Zeit vergangen ist: «Tauben fliegen drei Mal um das Theater und dann weg.» Sind diese Tauben nur Tauben? Oder könnten es nicht doch auch Mavies Eltern sein, die, immer schweigend, zuletzt nickend, den Kopf vor- und zurückschiebend, auf einer Parkbank gesichtet wurden? Paula Kläy lässt vermuten, dass sie beides sind, und überspringt mit Leichtigkeit wechselseitig die Lücke, die zwischen Schauspiel und Realität liegt.
Mavie und Peter treffen sich unvermittelt auf der Theaterbühne. Mavie ist eine Theaterfigur, die sich ausprobiert, die eigene Existenz ausdehnt. Was sie tut, ist gleichzeitig eine «allgemeine» und eine «persönliche Aussage», sagen die Regieanweisungen. Ihr Gesprächspartner Peter ist der Autor des Stücks «11 Begegnungen mit dem Tod». Eher unfreiwillig tritt er in Aktion mit seiner eigenen Figur. Seltsamerweise lächelt Mavie sein Lächeln, und so grinst sie direkt zu Beginn dem Autor ihre Eigenständigkeit entgegen. Auf seine Frage, wie Mavie sterben wird, antwortet sie: «Tragisch, man soll um mich weinen.» Todesmutig also beginnen Mavie und Peter von ihren Verlusten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 157
von Victoria Weich
Ich fühle», sagt MR01 in Emre Akals neuem Text. «Ich fühle Sehnsucht. Ich fühle Liebe. Ich fühle Schmerz.» Eine Stimme, sanft, empathisch, ein Versprechen von Nähe. Doch was fühlt da wirklich? Wer spricht hier? MR01 ist kein einzelner Körper, keine fest umrissene Figur, sondern eine künstliche Intelligenz. Ein System, das sich materialisiert: als Mutter, als...
In Zeiten wie diesen, nach einer vorgezogenen Bundestagswahl und einschneidenden Ereignissen im Oval Office, der politisch angestrebten Vereinbarung zu Sondervermögen und Schuldenbremse, ist man versucht, einen Kommentar zur politischen Lage und Stichworte zur Zeit zu liefern: als engagierter Bürger, Zeitgenosse oder analysierender Beobachter von Politik. Von einem...
Während ich diese Zeilen schreibe, weiß ich nicht, wie sich die Lage entwickeln wird. Was heute noch Gegenwart ist, kann beim Erscheinen dieses Textes bereits Geschichte sein. Oder eine Leerstelle. Oder nur noch Rauch.
Ich frage mich, ob die Erinnerung an Zeiten wie Krieg nicht auch ein kollektives Schreiben ist.
In den letzten Tagen habe ich Texte gelesen – von...
