Flächendeckend modern

Anne Lepper «Hund wohin gehen wir» (U) im Staatstheater Darmstadt

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Manche Theatertexte brauchen etwas länger. Im Fall von Anne Leppers frühem Stück dauerte es zehn Jahre bis hin zur Uraufführung und einem Erlebnis, das man schon in späteren Stücken wie «Seymour», «La Chemise Lacoste» oder vor nicht allzu langer Zeit in der Uraufführung von «Mädchen in Not» erfahren hatte. Die Wuppertaler Autorin taucht gerne in die Erlebniswelt heranwachsender Jugendlicher ein und erzählt von diesem Pendeln zwischen peinigendem Selbstzweifel, auffahrendem Größenwahn und scheu stocherndem Begehren.

Dabei verordnet sie den adoleszenten Sinnsuchern einen derart surrealen Sprachsound, dass man die Augen schließen und nur hinhören möchte. 

«Hund wohin gehen wir» wurde 2011 beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens ausgezeichnet und vom Westdeutschen Rundfunk als Hörspiel produziert. Jetzt, da die Uraufführung anstand, fiel die nicht nur in pandemische Zeiten, sondern auch in die Umbauphase des Kleinen Hauses, in dem das Staatstheater Darmstadt ansonsten neue deutschsprachige Dramatik platziert. Ausweichspielstätte ist die Kunsthalle der Stadt, in deren Räumen bis Anfang 2022 eine Ausstellung über «Britische Dokumentarfotografie seit den 1960er Jahren» zu sehen ...

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Theater heute März 2022
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Jürgen Berger

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