Finsteres Erwachen
Während manche Klassiker wegen ihrer Inkompatibilität mit dem aktuellen Wertekanon beinahe unbemerkt von den Spielplänen verschwinden, erleben andere trotz oder gerade wegen scharfkantiger Ecken des Anstoßes in regelmäßigen Zyklen ein Revival wie derzeit auch Heinrich von Kleists «Der zerbrochene Krug». War man schon auf einen weiteren gegenwartsgesättigten MeToo-Kommentar im Kleistschen Sprachkleid gefasst, so darf man sich im Münchner Cuvilliéstheater erst einmal verdutzt die Augen reiben.
Kein neuzeitlich nüchterner Raum des Rechts ist zu sehen, eher eine nostalgische Schmuddelecke mit ein paar geschwungenen Garderobenhaken und Holzbank dar -unter, alles zeitlos mit einer dicken braunen Patina bedeckt. Von der Seite her hört man leises Wimmern, wie von einem schon vor Beginn der Verhandlung gebrochenen Delinquenten, der sich da im Halbdunkel und mehr oder weniger auf allen Vieren hereintastet: das Morgengrauen in Person.
Wird der «Krug» in letzter Zeit landauf, landab meist als moderne Männerdämmerung gespielt, tritt Mateja Koležnik in ihrer Inszenierung für das Münchner Residenztheater zunächst einen Schritt zurück, zeigt eine verrottete Welt, deren Bewohner, von Ana Savic ...
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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Silvia Stammen
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