Am Schnittpunkt von Kunst und Realität
Ich traf ihn – Wilfried Minks – in Berlin, wenige Tage vor der Premiere zu Hochhuths «Soldaten», er machte dort das Bühnenbild. Man hatte munkeln gehört, dass der Autor nicht gerade entzückt gewesen sei, als er bei den Proben zum ersten Mal Minks’ Bühne sah, er hatte sich, man kann das auf vielen Seiten Szenen-Beschreibung in der Buchausgabe nachlesen, alles viel atmosphärischer vorgestellt, eine romantische Terrasse vielleicht wie bei Tschechow, eine Kathedrale wie von Feininger gemalt.
Aber das kann ich nicht, sagte Minks zu mir, ich kann nicht Atmosphäre produzieren, ich hab es mit einem Raum zu tun, ich habe Raum und Licht, sonst nichts, die müssen «rein» erhalten bleiben, damit darf ich nicht mogeln. Wenn mir der Autor vorschreibt: Mondweiße Nacht, da bin ich ganz hilflos, da kann ich ihm nur ein Transparent anbieten und draufschreiben: Mondweiße Nacht. Ich muss doch ehrlich umgehen mit dem Material und den Formen, die ich habe.
Die kleine Geschichte ist kennzeichnend für die Arbeit von Wilfried Minks. Es tauchen die Schlüsselworte darin auf: Raum, Reinheit, Ehrlichkeit, Material, Form – das ist das geistige und ästhetische Koordinatensystem für die Bühne von Minks. Reinheit: ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Wilfried Minks, Seite 47
von Ernst Wendt
Theater heute Wir haben für dieses Gespräch Schauspielerinnen aus drei Generationen eingeladen: Hildegard Schmahl, Jahrgang 1940, Judith Rosmair, 1967, und Julia Riedler, 1990. Denn wir möchten herausfinden, ob Sexismus und Machtstrukturen im Theater eine historische Konstante sind, ob sich die Situation nicht trotz allem deutlich verbessert hat, oder ob wir gerade...
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Übertriebene Sentimentalität kann man der Großmutter, bei der die Zwillinge aus Agota Kristofs Roman «Das große Heft» die Kriegsjahre überdauern, wahrlich nicht vorwerfen. Die Alte – im Ort schlicht «die Hexe» genannt – pflegt grausame Lebenseinsichten grundsätzlich unter genüsslichem Hohngelächter zu äußern, je nach Anlass gern auch mit begleitendem...
