Festival: Wer ist der Affe?

Das Berliner HAU versammelt Theater-Positionen zu Karl Marx

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Als «massives Kompendium des Zornwissens», ohne «das die Dramen des 20. Jahrhunderts nicht angemessen beschreibbar sind», hat Peter Sloterdijk das Marxsche Werk einmal bezeichnet. Womit recht gut die Faszination bezeichnet ist, die Marx noch immer auf die Dichter und Denker ausübt. Die Arbeitswerttheorie, die Verelendungstheorie oder die Thesen zum tendenziellen Fall der Profitrate mögen veraltet, ja obsolet sein. Aber seine auftrumpfende Rhetorik des Zorns ist es nicht.

«Unsre Bourgeoisie, nicht zufrieden damit, dass ihnen die Weiber und Töchter ihrer Proletarier zur Verfügung stehen, von der offiziellen Prostitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergnügen darin, ihre Ehefrauen wechselseitig zu verführen.» So schamlos schrieb eigentlich nie wieder ein Ökonom. Und niemand hat so suggestiv die Produktionssphäre als Grusel­kabinett ausgemalt: bevölkert von den ausgesaugten Arbeiterheeren, vom «Vampir» des Kapi­tals, von den Götzen des Warenfetischs. Untote allerorten. Jacques Derrida hat sich diese Rhetorik in seiner Studie «Marx’ Gespenster» 1993 vorgenommen. Den Titel haben sie sich am HAU für ihr zehntägiges Marx-Renaissancefestival gegriffen. Klingt ja auch gut.

Gezupft ...

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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Christian Rakow

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