Schleich di, Fremder!
Stimmt schon, Joseph Roths «Hiob» ist ein beeindruckender Roman: Wie er auf knappen 150 Seiten die Geschichte Mendel Singers episch ausbreitet, eines armen russischen Juden und Bibellehrers, auf den diverse Schicksalsschläge solange niederprasseln, bis er Gott abschwört und erst von allen verlassen seinen Glauben wiederfindet.
Wie Roth mit alttestamentarischer Sprachkraft die Welt des chassidischen Stetl aufblättert, wo Mendel ein schwachsinnig epileptischer Sohn geboren wird, dann die zwei gesunden Söhne zur Zarenarmee gezogen werden, schließlich einer nach Amerika fliehen kann, während die einzige Tochter sich reichlich mannstoll mit den Kosaken der nahe gelegenen Garnison in den umliegenden Kornfeldern vergnügt. Wie die Familie, um der Schande zu entgehen, nach New York emigriert, dabei den behinderten Menuchim zurücklassen muss, und wie sich ein kurzer, trügerischer Wohlstand ausbreitet, bis der Erste Weltkrieg ausbricht, Mendels Sohn fällt, die Mutter vor Gram stirbt, die erotisch überlastete Tochter wahnsinnig wird, schließlich der verwahrloste alte Mendel seine geheiligten Gebetsriemen vermietet. Und wie zuletzt als große dramatische Apotheose der tot geglaubte Krüppel ...
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Vor ziemlich genau zwei Jahren, nachdem sie eine «Lenz»-Aufführung in Berlin gesehen hatten, fragten mich die Chefdramaturgin und der Generalintendant des Weimarer Nationaltheaters begeistert («Was für eine starke Form!»), ob ich nicht Lust hätte, «Faust» in Weimar zu inszenieren. Den ganzen. Gott sei Dank habe ich mich nur um den zweiten Teil gekümmert, sonst...
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Allen Unkenrufen zum Trotz hängen keine Kokainpäckchen an den Zweigen des Waldes von Birnam, als der sich – Jürgen Gosch hat es in ein ebenso einfaches wie sinnfälliges Bild gefasst – auf das Schloss des finsteren Macbeth zubewegt. Was nicht heißt, dass Kolumbien das Drogen- und das Gewaltproblem bereits unter Kontrolle hätte, aber sagen wir es so: Man arbeitet...
