Schleich di, Fremder!
Stimmt schon, Joseph Roths «Hiob» ist ein beeindruckender Roman: Wie er auf knappen 150 Seiten die Geschichte Mendel Singers episch ausbreitet, eines armen russischen Juden und Bibellehrers, auf den diverse Schicksalsschläge solange niederprasseln, bis er Gott abschwört und erst von allen verlassen seinen Glauben wiederfindet.
Wie Roth mit alttestamentarischer Sprachkraft die Welt des chassidischen Stetl aufblättert, wo Mendel ein schwachsinnig epileptischer Sohn geboren wird, dann die zwei gesunden Söhne zur Zarenarmee gezogen werden, schließlich einer nach Amerika fliehen kann, während die einzige Tochter sich reichlich mannstoll mit den Kosaken der nahe gelegenen Garnison in den umliegenden Kornfeldern vergnügt. Wie die Familie, um der Schande zu entgehen, nach New York emigriert, dabei den behinderten Menuchim zurücklassen muss, und wie sich ein kurzer, trügerischer Wohlstand ausbreitet, bis der Erste Weltkrieg ausbricht, Mendels Sohn fällt, die Mutter vor Gram stirbt, die erotisch überlastete Tochter wahnsinnig wird, schließlich der verwahrloste alte Mendel seine geheiligten Gebetsriemen vermietet. Und wie zuletzt als große dramatische Apotheose der tot geglaubte Krüppel ...
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"Alles trocken." Die junge Kollegin kann nicht mehr weinen, seit sie den perfekten Moment erlebt hat, in dem sie beim Spielen selbst glaubte, sich und alle Zuschauer in ein anderes Sein befördert zu haben. Noch wundert sie sich, dass dieser Moment nicht wieder herstellbar ist – wie der Dornenauszieher in Kleists «Marionettentheater». Marcelline wundert sich schon...
Der Anfang ist ein klassisches Nübling-Gewitter. Rund 20 wildgewordene Börsianer, die im Rudel rennen und schreien und die Fäuste recken. Dazwischen die kleine Katharina Schmalenberg als Lady Macduff, die eiskalt sinkende, dann steigende Aktienkurse ausruft. Dann tritt ein ruhiger, guruhafter Duncan ins junge Gebrüll, denkt laut über seinen Nachfolger nach und...
David checkt seine Mails. Das bleiche Licht des Bildschirms färbt sein Gesicht gespenstisch. Und das nicht von ungefähr, denn David (Andrea Bettini) gehört zur Gattung der Untoten, Untergruppe: einsamer Mann Mitte 40, im Geschäftsleben erfolglos, im Gefühlsleben erkaltet. Mit Liegestütz und Sit-ups beweist er sich, dass noch Energie in ihm steckt. Nebenher...
