Ewe Benbenek: Tragödienbastard

Überarbeitete Spielfassung der Uraufführung © S. Fischer Verlag 2021

Stimmen
A
B
C

B Also. Jetzt. Anfangen.
C Anfangen, oder?
A Puhhhh, 
aiaiaiaiai,
B Okay...
Los, los jetzt.
A Warum muss das so schwer sein?
Warum muss das immer wieder so schwer sein?
Warum muss sich das immer wieder so schwer anfühlen?
C Ist doch einfach jetzt.
Ist doch jetzt der Raum da, hier wurde doch der Raum gegeben. Jetzt sind auch schon die Lichter an, verdammt.
B Also los!
los jetzt! Es muss doch hier jetzt losgehen.


A Warum kann es sich nicht leicht anfühlen?
Warum kann es sich, verdammt nochmal, nicht leicht anfühlen, es zu sprechen, es auszusprechen, das Wort, das erste Wort. Das erste Wort, das Gewicht hat, das eine Rolle spielt, diese Worte, um die es hier doch gehen soll.
C Oh Gott, was?
Ja, was, wenn es nicht kommt?
Was, wenn es wieder und wieder nicht kommt?
Das Wort.
A Das erste Wort ist das Wichtigste, oder? Ist doch so.
B Was, wenn es nicht durchkommt, das Wort, was wenn das erste Wort schon nicht durchkommt,
C Ja, wenn das erste Wort schon so gar nicht einschlägt,
B dann hast du doch eh schon verloren, oder?
A Ja, aber wie? Wie kann es kommen? Wie kann das Erste von einer kommen, die als Letzte gekommen ist? Wie kann es von einer kommen, nach der keine mehr ...

EWE BENBENEK, geboren 1985 in Kammiena Góra und aufgewachsen in Niedersachsen, ist Dramatikerin und Literaturwissenschaftlerin. Nach dem Studium der Literatur-, Kultur- und Politikwissenschaften war sie u.a. am Institut für Neuere deutsche Literatur/Theaterforschung der Universität Hamburg beschäftigt. 2019 wurde sie für den Retzhofer Dramapreis nominiert; 2020 kam ihr Debütstück «Tragödienbastard» am Wiener Schauspielhaus zur Uraufführung.
2021 gewann sie den Mülheimer Dramatikpreis.

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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Das Stück, Seite 100
von Ewe Benbenek

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