Dumme und Schlechtweggekommene
Der Dichter spricht. Kurz nach der Pause schließt sich der Vorhang im Großen Haus des Theaters Lübeck, und Heinrich Mann selbst tritt an die Rampe. Zögernd, unsicher zunächst, spricht er zum Publikum, erzählt, wie «Der Untertan» Diederich Heßlich zu Macht gelangen konnte, mittelmäßiger Schüler, Petze, Verbindungsstudent, Papierfabrikant in der Provinz.
Mann erklärt das mit dem Erfolg der «Dummköpfe und Schlechtweggekommenen», die mit den Zumutungen der modernen Gesellschaft nichts anfangen können, mit Diversität, Multikulturalisimus und Vielstimmigkeit, und die sich stattdessen in die einfachen Lösungen flüchten würden, in den Nationalismus also.
Die Ansprache verortet Manns 1919 erschienenen Roman «Der Untertan» im Heute, für diese Ansprache braucht Regisseurin Mirja Biel die von Michael Fuchs verkörperte Figur des Autors, die bis zu diesem Zeitpunkt mehr oder weniger unmotiviert über die Bühne geschlendert war und gerade mal ein paar die Handlung strukturierende Romansätze in die Schreibmaschine hacken durfte. Nach gut zwei Stunden also ergibt die Idee der Regisseurin auf einmal Sinn.
Allerdings hat Biel unzählige Ideen, die für sich genommen stimmig sind, die Saisoneröffnung ...
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Theater heute Oktober 2021
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Falk Schreiber
Es ist ein letzter Tanz, nur ein kleines Wiegen in den Hüften: Summend und mit geschlossenen Augen erinnert sich Rebecca an ihre Jugend, an ihren Abschlussball und ihren ersten Kuss. «Only you» schallt es dazu von The Platters durch den Raum. Einen kurzen Augenblick lang denkt man, Rebecca habe ihren Frieden gemacht. Sie, die doch den ganzen Abend – und dieser...
Fortschritte in der Auffassung der «Dreigroschenoper» kann man wohl nur noch im Detail beobachten. Da wäre die Geschichte des «Hoppla!» («Und wenn dann der Kopf rollt» oder «fällt», je nach Fassung, «dann sag ich: Hoppla!» aus dem Lied der «Seeräuber-Jenny»): Das ganze «Und wenn dann …» im Rezitativ lassen und erst für «Hoppla!» von Singstimme auf Sprechstimme...
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