Es schwingt
Im Oktober 2016 ist Fiston Mwanza Mujila zu Gast im Burgtheater mit einer Lesung, ach was: Lesung-Performance. Besser: Rezitation, Gesang, Tanz. Der bekennende Jazzliebhaber, der den Variationsreichtum des Saxofons besonders hoch schätzt, ist ein Bühnenereignis. Ein Vortragender, der auch in seinen Prosatexten Freiheit in der Sprache sucht, Partituren schreibt. «Zu der Zeit der Königinmutter», das erste auf Deutsch geschriebene Drama des frankophonen Autors, erklingt und schwingt denn auch mehr, als es verlautbart, erläutert, berichtet.
Zeit: Gegenwart, Ort: die New-Jersey-Bar.
Die kleine Gertraud, Jimmy, der Chef, und viele Männer und Frauen versammeln sich in dieser heruntergekommenen Bar in einer abgelegenen Gegend an den Rändern Europas, Asiens, vielleicht in Afrika. Der Barkeeper hat schon bessere Zeiten gesehen, zur Zeit der Königinmutter: «Zur Zeit der Königinmutter / War das Leben eine Note des Jazz / Wir waren das Leben / Wir waren diese Bar / Wir die leuchtenden Frauen.»
Diese Zeit ist unwiederbringlich vorüber, der Goldrausch ist verflogen, die Nächte der Schwelgerei, der gekauften Liebe und des Erbrochenen sind Vergangenheit.
Ein Neuer betritt die Bar, der ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Eva-Maria Voigtländer
In Svenja Viola Bungartens Debütstück kommt das Schicksal charmant und leichtfüßig daher. Mit der großen Frage des Lebens, ob es das nun schon gewesen sei, stehen Ute K. und Beate des nachts an der Straße. Es sind zwei ältere Frauen, die vielleicht das Schönste in ihrem Leben noch vor sich haben. Hoffen sie jedenfalls. Sie glauben daran und arbeiten dafür, dass das...
Das Stück, um das es hier gehen soll, ist noch nicht fertiggeschrieben, deshalb ist alles, was man darüber schreiben kann, im Ordner «Mutmaßungen» abzulegen. Erzählt werden aber kann von einer Idee, von der gleich zwei Theater extrem inspiriert sind. Im Frühjahr 1811, kurz vor dem Freitod des Dichters Heinrich von Kleist, erschien unter dem Titel «Die Verlobung»...
Deutschland muss weniger deutsch werden. Das ist ein harter Satz. Vor allem, wenn er von einem Niederländer kommt. Ich meine das aber nicht arrogant. Ich meine das eher verführerisch.
Denn ich beobachte zwei Dinge. Heimat und Identität haben viel mit Sprache zu tun. Zum einen sind die Deutschen sehr tolerant, sie akzeptieren zum Beispiel, wenn ein Ausländer ein...
