Es schwingt
Im Oktober 2016 ist Fiston Mwanza Mujila zu Gast im Burgtheater mit einer Lesung, ach was: Lesung-Performance. Besser: Rezitation, Gesang, Tanz. Der bekennende Jazzliebhaber, der den Variationsreichtum des Saxofons besonders hoch schätzt, ist ein Bühnenereignis. Ein Vortragender, der auch in seinen Prosatexten Freiheit in der Sprache sucht, Partituren schreibt. «Zu der Zeit der Königinmutter», das erste auf Deutsch geschriebene Drama des frankophonen Autors, erklingt und schwingt denn auch mehr, als es verlautbart, erläutert, berichtet.
Zeit: Gegenwart, Ort: die New-Jersey-Bar.
Die kleine Gertraud, Jimmy, der Chef, und viele Männer und Frauen versammeln sich in dieser heruntergekommenen Bar in einer abgelegenen Gegend an den Rändern Europas, Asiens, vielleicht in Afrika. Der Barkeeper hat schon bessere Zeiten gesehen, zur Zeit der Königinmutter: «Zur Zeit der Königinmutter / War das Leben eine Note des Jazz / Wir waren das Leben / Wir waren diese Bar / Wir die leuchtenden Frauen.»
Diese Zeit ist unwiederbringlich vorüber, der Goldrausch ist verflogen, die Nächte der Schwelgerei, der gekauften Liebe und des Erbrochenen sind Vergangenheit.
Ein Neuer betritt die Bar, der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 174
von Eva-Maria Voigtländer
Donald Trump, der in Elfriede Jelineks «Am Königsweg» namentlich nicht genannt wird und um den sich doch das ganze Stück dreht, hat in dieser Saison viele Theatermacher, Zuschauer und Kritiker in Atem gehalten. Vielleicht deshalb haben sie ihn und sich in «Am Königsweg» wiedergefunden und den Text mit 9 Stimmen zum Stück des Jahres gewählt – vor Ewald Palmetshofers...
In Svenja Viola Bungartens Debütstück kommt das Schicksal charmant und leichtfüßig daher. Mit der großen Frage des Lebens, ob es das nun schon gewesen sei, stehen Ute K. und Beate des nachts an der Straße. Es sind zwei ältere Frauen, die vielleicht das Schönste in ihrem Leben noch vor sich haben. Hoffen sie jedenfalls. Sie glauben daran und arbeiten dafür, dass das...
Roland Schimmelpfennig hat Schule gemacht und eine ganze Generation von Autoren beeinflusst mit seiner ausgeformten Erzähltechnik – in der einfache Identifizierungen und Rollenzuschreibungen ständig unterlaufen werden und die Darsteller aus dem Modus des Erzählens in der dritten Person immer wieder ins szenische Spiel einer ersten Person einsteigen, um dies dann...
