Ein Turm zu Babel!
Deutschland muss weniger deutsch werden. Das ist ein harter Satz. Vor allem, wenn er von einem Niederländer kommt. Ich meine das aber nicht arrogant. Ich meine das eher verführerisch.
Denn ich beobachte zwei Dinge. Heimat und Identität haben viel mit Sprache zu tun. Zum einen sind die Deutschen sehr tolerant, sie akzeptieren zum Beispiel, wenn ein Ausländer ein gebrochenes Deutsch spricht, so wie ich. In Frankreich wäre das ganz anders, dort würde man mich nicht so freundlich behandeln, auch nicht im Theaterbetrieb. Aber Deutsche haben eine Neugierde.
Auf der anderen Seite: Als ich noch in München arbeitete, an den Münchner Kammerspielen, und im Fernsehen die Nachrichten schaute, sah ich Barack Obama sprechen – aber hören konnte ich ihn nicht. Dabei hat Obama eine unfassbar schöne Stimme und eine sehr gute Diktion. Aber das hat man nie gehört, weil immer eine deutsche Stimme da war, die es übersetzte.
Über fremde Sprachen kann man die Seele der Menschen kennenlernen. Vielsprachigkeit ist wichtig. Was ist schlimm, wenn man einander erst mal nicht versteht? Wenn man einander mit Körpersprache klarmachen muss, was man meint? Für mich ist der Reichtum Europas ein Reichtum von ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 70
von Johan Simons
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