Erhörte Bilder
«Hörspiel ist die glücklichste Form», sagt Werner Fritsch an diesem Samstagvormittag.
Noch ohne zu wissen, dass er am Abend im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) den ARD Hörspielpreis für seine Produktion «Enigma Emmy Göring» erhalten wird, was dank der damit verbundenen Ausstrahlung in allen neun ARD-Landesanstalten laut SWR-Intendant Peter Boudgoust zusätzliche Tantiemen zwischen 20.000 und 30.000 Euro erwarten lässt.
Zwar hilft es, wenn Rundfunkvergütungen länger ernähren als Theaterhonorare (weshalb ZKM-Vorstand Peter Weibel das Hörspiel auch als letzte Bastion der Förderung experimenteller Autoren würdigte).
Doch das Hörspiel ist für Fritsch deshalb «die glücklichste Form, weil es eigene Bilder zulässt».
Auf der Bühne ist es in der Tat ganz schön schwer, ohne Abrutschen in die Parodie Emmy Göring darzustellen, die Gustaf Gründgens imitiert, wie er Hitler imitiert. Im Hörspiel ist es auch nicht einfach, wirkt aber ganz leicht. Vor allem wegen der großartigen Sprecherin Irm Hermann. Aber auch, weil die Frage der Verortung nicht ablenkt. Man kann sich vorstellen, dass die gealterte Emmy Ende der 60er Jahre auf einem Zahnarztstuhl sitzt und der Behandlung der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Heinrich Breloers Speer und Er
Das Glück der Deutschen
Nach Lars-Ole Walburgs Düsseldorfer «Orestie» lässt sich noch besser nachvollziehen, warum Michael Thalheimer in seiner Berliner Inszenierung 2006 den dritten Teil, «Die Eumeniden», gestrichen hat. Die Wucht der Tragödie, auf die es hier ankommt, ist mit einer unentschieden endenden Abstimmung, mit dem Schlichterspruch einer gütigen Pallas Athene, also mit Friede...
Wenn sich Ewald Palmetshofer nach seiner ersten, sehr erfolgreichen Wiener Uraufführung verbeugt, sieht das etwas ungewöhnlich aus. Der Oberkörper winkelt rechteckig in der Hüfte ab, die Arme schwingen nach hinten, und der Kopf bleibt hart in den Nacken geworfen, die Augen weit offen. Als Empfangshaltung eher für Peitschenhiebe als Applauswellen geeignet, und als...
Die Jahre zwischen 1977 und 1980 waren die krisenhafteste Zeit seines Lebens. Im Oktober 1976 war er von einem Wien-Aufenthalt anlässlich einer Inszenierung am Burgtheater nicht mehr in die DDR zurückgekehrt. Im März 1977 wird seine Freundin Gabriele Gerecke bei einem Fluchtversuch an der innerdeutschen Grenze festgenommen und zu drei Jahren Haft im berüchtigten...
