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Jon Fosse: «Besuch»

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Unglaublicherweise liefern Familienaufstellungen noch immer die besten Daten, um herauszufinden, wer wir sind. Wir erfahren etwas über die unbekannten Bedingungen der Möglichkeit, andere wahrzunehmen und mit anderen zusammenzusein. So unpersönlich, wie Fosse die Sache in seinem neuen Stück «Besuch» angeht, wird daraus rasch ein Experiment mit Laborcharakter. Wenige formelhafte Informationen zeichnen eine familiäre Situation mit einer unentschärften Bombe im Zentrum. Die Situation wird in einen abgeschlossenen Raum versetzt und sich selbst überlassen.


Man nehme eine Mutter mit ihren zwei erwachsenen Kindern verschiedenen Geschlechts und einen Mann, den Freund der Mutter, der nicht der Vater der Kinder ist, und stelle sie in eine Wohnung vor die Türe zum Kinderzimmer. Im Kinderzimmer braut sich etwas zusammen. Die Türe klappt gelegentlich auf und zu und setzt Schwaden von Angst frei. Was sich dort genau abgespielt hat oder noch immer abspielt, lässt sich nicht erkennen. Das Licht trifft nur Umrisse, wir sehen nur die für das Experiment nötigen Konturen. 
Im Kinderzimmer lebt das jetzt bald neunzehnjährige Mädchen allein in einem regressiven Zustand, sie vergnügt sich daran, dass sie ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Neue Regeln, Seite 146
von Karl Baratta

Vergriffen
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