Das starke Kind wird erwachsen

Katharina Schüttler, die Schauspielerin des Jahres, will sich beim Spielen nicht erwischen lassen

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Was für ein kaltes Luder! Gerade erst hat man sich gemütlich eingerichtet im schicken Wohnzimmer der Tesmans und in Thomas Ostermeiers elegant realistischer Inszenierung, hat sich wohlwollend und eine Spur gelangweilt angehört, wie Lars Eidingers Jörgen Tesman leicht trottelig, zerstreut und beflissen die nervös bemühte Tante Jule (Lore Stefanek) besänftigte, da steht dieses Wesen der dritten Art im Glashaus, und ein Kältehauch vertreibt schlagartig jede Behaglichkeit.

Warum macht sie das, Hedda, diese jungverheiratete Frau, gerade von der Hochzeitsreise in ihr Traumhaus zurückgekehrt, was gibt ihr diesen Satz unter gesenkten Lidern ein: «Gehört das Käppi der Putzfrau?» Das Käppi hatte Tante Jule eigens gekauft, um der verwöhnten jungen Frau ihres vergötterten Neffen zu gefallen. Und Hedda weiß das. Der Schlag kommt gezielt, unnötig, beiläufig, und er trifft die gute Tante direkt ins Herz. Die Tante und die Zuschauer. 

Es ist nur der erste. Die Attacken der Hedda, wie Katharina Schüttler sie spielt, kommen einen Abend lang aus dem Hinterhalt einer unfassbar gleichmütigen Kälte; sie kündigen sich höchstens an über Blicke, verächtliche, lauernd auf den besten Moment. Kalkül ist alles ...

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Theater heute Jahrbuch 2006
Rubrik: Regeln der BÜhne, Seite 70
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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