Entfesselt nüchtern
Eigentlich ist sie schon ganz lange da. Nur so richtig groß aufgefallen, das war sie bisher nicht. Immer wohlwollend erwähnt, nie abgestürzt, sicher eine Stütze des Ensembles, aber nie: ein Star. Judith Hofmann wird demnächst 40. Das würde keiner glauben, der sie nur auf der Bühne sah, aus der sicheren Entfernung des Parketts, geschminkt und in der Rolle mädchenhaft burschikoser Frauenfiguren, die fast immer gute 10 Jahre jünger waren als sie selbst, neuerdings auch mal fast 20.
Zur Zeit spielt sie neben der schwarzgescheitelten, alterslos frommen Elisabeth in Millers «Hexenjagd» die Mittzwanzigerin Maggie in Williams’ «Die Katze auf dem heißen Blechdach» und Jessica in Sartres «Schmutzige Hände», laut Text 21 Jahre alt – die Rolle, in der sie endgültig unübersehbar wurde im attraktiven Frauenensemble des Hamburger Thalia Theaters zwischen Susanne Wolff und Maren Eggert, Paula Dombrowski und bis vor kurzem Fritzi Haberlandt.
Ungefähr in dieser Alterskohorte Anfang 30 hatte man sie vermutet, und so rieb sich niemand die Augen, als sie plötzlich als Jessica im kurzen Seidenhemd durch den Topfpflanzendschungel in Andreas Kriegenburgs Sartre-Inszenierung wirbelte. Gewiss, das war kein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie jede gute Fabel lässt sich auch die des nun 50 Jahre alten «Besuchs der alten Dame» in zwei Sätzen wiedergeben. Als junge Frau wurde Klara Wäscher von ihrem Liebhaber geschwängert, in einem Vaterschaftsprozess gelinkt und ins Elend gestoßen. Jahrzehnte später kehrt sie als Claire Zachanassian ins Städtchen Güllen zurück und verspricht der bankrotten Gemeinde...
Viel Staat war nicht mehr zu machen mit dem Staatstheater. Die traditionsreichen Darmstädter Bühnen – ihre Geschichte reicht bis in die Zeiten des Landgrafen Ludwig V. im frühen 17. Jahrhundert zurück – hatten 1972 einen opulenten Neubau bekommen, ein Dreispartentheater mit Großem und Kleinem Haus, üppigem Raumprogramm für Werkstätten und Requisite und einer der...
Wir Bildungsbürger und Abonnenten, Shakespearefreunde und Humanisten, wir Theaterkritiker und von engagierten Lehrern herangeschleiften Gymnasiasten – wir sind das Volk. Damit wir das nicht vergessen und auch nicht, dass die Tragödien des britischen Renaissance-Dramatikers William Shakespeare mit uns, dem Volk, zu tun haben, werden wir als solches angesprochen und...
