Engel, Elfe, Gendernaut
Tellheim schwankt. Schwer verletzt und pleite, hat sich der Major ordentlich einen angesoffen – und weiß nicht mehr, wie es weiter geht. Rechts oder links? Damen oder Herren? Unruhig flackert der glasige Blick zwischen den Toilettentüren, die Stefan Meyer links auf die Wirtshausebene seines verschachtelten Bühnenbildes für Lessings «Minna von Barnhelm» gebaut hat. Jana Schulz, die in Karin Henkels Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg diesen Menschen im Ausnahmezustand spielt, bringt die besten Voraussetzungen für solche Verwirrungen mit.
Ihr bleicher, schmutzigblonder Tellheim ist ein Kindersoldat unklarer geschlechtlicher Zuordnung, mit breitem, kräftigen Kreuz und steifem Arm, aber auch mit Brüsten und Frauenschenkeln, die sich unter ein Paar Nummern zu großer (und bald vollgesauter) Armeeunterwäsche abzeichnen. Zurückgekehrt aus einem Krieg, aller Hemmschwellen und Identitätsgewissheiten beraubt, säuft und kotzt und pisst sie wie der letzte Mensch auf der Welt. Pausenlos redet, lallt und stammelt sie vor sich hin, Durchhaltereden und Bußgeflüster im Wechsel.
Crossover-Besetzungen sind keine Seltenheit im Theater: Erst kürzlich ließ Armin Petras junge ...
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Klaus Dermutz Herr Stein, von Klaus Michael Grübers «Sturm» 1969 in Bremen waren Sie nicht angetan?
Peter Stein Nein, seinen «Sturm» fand ich nicht so toll, ein bisschen fantasievoll, ein bisschen verrückt. Diese Einschätzung kommt natürlich auch daher, dass ich Regisseur bin und vom «Sturm» andere Vorstellungen habe. Auch waren die schauspielerischen Leistungen...
