Furcht vor der Liebe

Johan Simons inszeniert Shakespeares «King Lear» im Bochumer Schauspielhaus

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Lacht nicht über mich, ich bin ein alberner und altersschwacher Mann» – und keiner lacht. Lears Weg von Amtsmüdigkeit zu Altersstarrsinn zu Kontrollverlust, Gedächtnisschwund und Identitätsaufweichung ist dem Publikum ein bekannter Weg. Johan Simons schickt in seiner Bochumer Inszenierung den König Lear vorweg schon auf die Bühne mit der Bitte um Nachsicht.

Aber was ist sein Anfangsfehler? Furcht vor Selbstenthüllung, vor Erkanntwerden, Sich-Preis­geben. Geheuchelte Liebe will er, nicht echte.

Auf diese Liebes-Furcht will Simons seine zweite «Lear»-Inszenierung konzentrieren. Kein «rustikaler Polterabend» mit Schweinen wie damals bei Simons’ Inszenierung in den Münch­ner Kammerspielen (vgl. Theater heute 05/2013), sondern eine auf die Essenz reduzierte Demonstration ohne irgendwelches buntes Nebenbeigewusel.

Keine Ablenkungen

Dazu wird zunächst das Personal ganz ausgedünnt: Es fehlen die Ehemänner der älteren Töchter Lears, es fehlen Lears getreuer Kent und alle sonstigen Ritter, Diener, Boten. Und Cordelia ist auch der Narr, eine seit Shakespeares Zeiten gängige Besetzung.

Gesprochen wird eine neue Übersetzung der österreichischen Dramatikerin Miroslava Svolikova, die zwar viele ...

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Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 36
von Gerhard Preußer

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