Elegante Konsequenz, keine Kompromisse

Das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel feiert seinen 20. Geburtstag mit Joris Lacoste, Matija Ferlin, Mariano Pensotti, Sylvain Creuzevault, Marlene Monteiro Freitas, Jérôme Bel, der Needcompany und anderen

Theater heute - Logo

Wenn wir schlafen, arbeiten wir», erklärt der freundliche Schlafforscher von der Leinwand in der Creation «EXIT» von Kris Verdonck. «Im Schlaf setzen wir die Teile unserer Erlebnisse zu etwas Neuem zusammen wie ein Schuster einen Schuh.» Das Publikum sitzt und liegt auf Polstern. Eine Tänzerin vollführt eine Bewegungsfolge, die sie über die Dauer einer dreiviertel Stunde in einem immer dunkler werdenden Licht wiederholen wird, bis sie uns in den Schlaf getanzt hat.

In der «Suite No 2» von Joris Lacoste muss man hingegen sehr wach sein, um Text und Gedanken zu folgen.

Viel später in Marten Spangbergs Zweieinhalb-Stunden-Tanzperformance «La substance, but in English» darf und soll das Publikum kommen und gehen, ein aufmerksames Floaten. Auch in der Rezeptionsanforderung setzt das Kunstenfestivaldesarts in Brüssel auf die Offenheit für das Unterschiedliche in der Welt, das sich zu etwas Unbekanntem zusammensetzen kann.

Das Sprechen der Welt

Die «Suite No 2» der Gruppe L’Encyclopédie de la Parole und des Regisseurs Joris Lacoste ist dabei eine der stärksten Produktionen des diesjährigen Festivals. Als eine Gruppe von Künstlern, Dichtern, Regisseuren und Schauspielern betreiben sie seit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2015
Rubrik: Festival, Seite 34
von Stefanie Carp

Weitere Beiträge
Wer, wenn nicht ich?

 In der Münchner Theatertopografie gilt das Residenztheater seit jeher als Hort repräsentativer Hochkultur, während man den Kammerspielen von Haus aus grenzüberschreitenden Innovationswillen zuschreibt. Historisch betrachtet mag das überwiegend zutreffen, bei näherem Hinsehen bekommt dieses aufgeräumte Weltbild allerdings vermehrt Risse. Zumindest was ästhetische...

Moderne Volkserziehung

Sie schlängelt sich durchs ganze Land. Vom hintersten Nordosten in den Südwestzipfel, also vom Zollposten St. Margrethen am Bodensee bis in die Weltkleinstadt Genf. Die Schweizer Autobahn A 1 vernetzt fast alle Schweizer Städte, kurvt durchs Mittelland, streift die Seen, wellt sich über Weinberge. Als Transitpiste für Europa taugt sie nur bedingt. Hier produzieren...

Sprengen ist eine Option

Drei Theater, drei Städte, ein Thema, so lässt sich das Konzept von «Industrie­gebietskinder» zusammenfassen, dessen Ergebnisse im Mai in Halle präsentiert wurden. Das Kinder- und Jugendtheater Dortmund, das Thalia Theater Halle und das Theater Strahl aus Berlin haben im letzten Jahr begonnen, ihre jeweilige Industriegeschichte in verschiedenen Beteiligungsformaten...