Einladung zur Verwandlung
Die Tür steht offen, kein Mensch vor dem Theater. Aber drinnen eine junge Frau, die freundlich «Willkommen im neuen Gorki!» sagt und den Weg weist. Montagnachmittag um halb fünf, klar, das ist nicht die Zeit für Menschenaufläufe. Und vielleicht ist die Leere sogar ein Vorteil in der Installation «Fuge» des Konzeptkünstlers Sarkis, nicht nur wegen des luxuriösen Betreuungsschlüssels von gefühlt drei zu eins.
Sondern weil es in konzentrierter Ruhe einfacher ist, sich auf das erste künstlerische Statement einzulassen, mit dem die neue Intendantin Çagla Ilk in verschiedenen Räumen des Gorki-Theaters die Spielzeit eröffnet.
Der 88-jährige Sarkis, in der Türkei geborener Armenier, der den Großteil seines Lebens in Frankreich gelebt hat, verbindet dabei seine persönliche Mythologie voller eigener Motive mit Werken zweier anderer Avantgardekünstler. Im entkernten Zuschauerraum steht ein Podest mit hölzernen Grabkreuzen der polnischen Avantgardetheater-Ikone Tadeusz Kantor (1915–1990) aus der Krakauer Cricotek; darunter hat Sarkis Neonschnüre in den Farben des Regenbogens verlegt. Auf der Bühne drehen sich in Zeitlupe großformatige Spiegelscherben, die für sieben Kontinente stehen, ...
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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Akteure, Seite 39
von Eva Behrendt
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