Einfach erzählen
John von Düffel, der neue Hausherr am Bamberger Theater, richtet zu Beginn seiner Intendanz den Blick nach Osten. Ob das programmatisch ist, wird sich zeigen, auf jeden Fall geht es in den ersten beiden Produktionen nach Tschechien, Prag und ganz bewusst um das poetische Erzählen, das man dort zu jeder Zeit ein wenig anders, geheimnisvoller beherrschte und beherrscht als im westlichen Europa.
Düffel hat zwei Autoren an den Anfang seines Spielplans gestellt, die das Vermögen auszeichnet, literarisch in der Wirklichkeit eine Welt zu kreieren, die nicht immer ganz von dieser Welt ist: Franz Kafka natürlich und als aktuellen Kollegen Jaroslav Rudiš.
Der eine aus einem Jahrhundert, das die Ordnung auf den Kopf stellte, der andere aus der Gegenwart, die einem längst nicht mehr ganz geheuer ist. Was beide auszeichnet, ist die Kunst, sich und uns einen Kosmos zu erschaffen, in dem das Wort regiert, das von Angst und Hoffnung, vom Scheitern und Aufraffen, vom Straucheln und verzweifelten Durchhalten spricht. Friedlich geht es bei beiden nur oberflächlich zu: Es lauern die Fallstricke.
Jaroslav Rudiš, geboren 1972 in der Kleinstadt Turnov, ist ein literarischer Kauz, der mit seinem ...
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Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Bernd Noack
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
5. nach Hub, Das letzte Schaf
R. Anja Junski
ANNABERG-BUCHHOLZ, ERZGEBIRGISCHE THEATER
13. Krasznay-Krausz, Die gelbe Lilie (DE)
R. Christian von Götz
AUGSBURG, STAATSTHEATER
13. Baudy, Tatort Augsburg Folge 9: Walsturz (U)
R. David Ortmann
BASEL, THEATER
12. Schamoni und Ensemble, Die Ritter des Mutterkorns
R. Rocko Schamoni
BAUTZEN,...
Wie kann es sein, dass Menschen Liebe mit Gewalt verwechseln? Menschen, meist männliche sozialisierte, die, wenn sie sprächen, versichern würden, dass die Härte, das Anbrüllen, die Faust ins Gesicht aus Liebe geschehen. Wie nebenbei umkreist die Schauspielerin Vernesa Berbo diese Frage in ihrem ersten Roman «Der Sohn und das Schneeflöckchen». Sie schildert darin,...
Queerfeministische Power und sanft humanistische Komödiantik: Mit der Wahl von Pınar Karabulut und Rafael Sanchez zu seinen neuen regieführenden Kointendant:innen beweist das Zürcher Schauspielhaus eine Lust auf so starke wie stark unterschiedliche Handschriften. Mit Inszenierungen von Marie Schleef und Claudia Bossard in der Auftaktwoche spannte sich der...
