Ende der Geschichten
Drei Bräute schreiten die Treppe im Hamburger Malersaal hinab, mit ordentlich Tüll und tiefen Dekolletées. Und Richard Wagner begleitet sie dabei, mit «Tristan und Isolde». Auf einem Podest angekommen, erklärt eine der Bräute: Dieser Auftritt sei ein Verweis auf Lars von Triers «Melancholia». Schließlich erzähle der Film von einer depressiven jungen Frau, die das Ende der Welt durch die Kollision mit einem anderen Planeten vorhersieht. Zu Beginn dieses Films ist fast das komplette «Tristan»-Vorspiel zu hören.
Hinter den Bräuten verbergen sich die Dra -maturg:innen lynn t musiol, Christian Tschirner und Martin Györffy, Veranstalter:innen des soeben eröffneten Symposiums «Happy Endings». Es geht um «Palliative Dramaturgien» oder auch die Frage, ob und wie Theater auf die sich steigernden globalen Krisen reagieren kann (vgl. TH 1/25). Kurz denkt man an den «Okay, ich bin ein Nazi»-Total-Ausfall von Lars von Trier während der Pressekonferenz zu «Melancholia», der beinahe zu dessen Karriere-Selbstmord geführt hätte – auch eine Art Ende – da geht es auch schon los: mit Geschichten vom Ende, denn Dramaturgie sei ja, so Tschirner, die «Kunst des Geschichtenerzählens».
Daraufhin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Katrin Ullmann
Queerfeministische Power und sanft humanistische Komödiantik: Mit der Wahl von Pınar Karabulut und Rafael Sanchez zu seinen neuen regieführenden Kointendant:innen beweist das Zürcher Schauspielhaus eine Lust auf so starke wie stark unterschiedliche Handschriften. Mit Inszenierungen von Marie Schleef und Claudia Bossard in der Auftaktwoche spannte sich der...
Christian Rakow Jacob Höhne, das Ramba-Zamba-Theater hat mit einem Brandbrief auf die strukturelle Unterfinanzierung des Hauses aufmerksam gemacht. Zentrale Teile des Programms könnten nicht fortgeführt werden, heißt es. Sie verwalten einen Etat von etwa 1,5 Millionen Euro. Wie setzt der sich zusammen?
Jacob Höhne Wir haben eine institutionelle Förderung von rund...
Das Buch beginnt mit einem Verrat. Keinem erheblichen, nur einem kleinen Diebstahl zu Schulzeiten und seiner Verleugnung. Aber das Motiv ist sorgsam gesetzt und stellt zugleich den Anschluss an einen zentralen Topos der Zeit vor 1989 her, als Verdacht und Verrat zum täglichen Geschäft gehörten, als man auf des Messers Schneide lebte, in einem «Krieg ohne Schlacht»...
