Einen hab ich noch

Kleist «Amphitryon», Sibylle Berg «Wünsch dir was»

Theater heute - Logo

Wann ein Mann ein Mann ist, hat Herbert Grönemeyer aus Bochum schon vor einer Weile geklärt. Diese Männerdämmerung passierte im Zickenbeat und tat etwas weh, vor allem in den Ohren, aber das Leiden hat sich gelohnt: Wir dürfen jetzt weinen und rosa Hemden tragen. Es lag also doch auch ein Sieg in der Niederlage. Etwas länger beschäftigt man sich allerdings mit dem Gang der Götter in die Welt hinab. Wie die Männer werden auch diese erst richtig interessant, wenn sie über ihr drittes Bein stolpern und sich dem Rest der Welt, Mensch oder Frau, etwas gemein machen müssen.

Das Zürcher Schauspiel­haus eröffnete die Spielzeit mit drei Männerkomödien, wovon zwei eigentlich Götterschwänke sind oder offenbar so gesehen werden können. Kleists «Amphitryon», Sibylle Bergs Musical «Wünsch dir was» und «Bunbury» von Oscar Wilde. Den alten Wilde gabs flott gekürzt und heterosexuell hochgerüstet im Pfauen (Regie Werner Düggelin). Man kann das im Schauspielführer nachlesen. Die andern Kandidaten um den Preis der gotteslästernden Lustigkeit bedürfen etwas Extra-Erklärung.
Wenn Jupiter die Hose drückt und er in Gestalt des Feldherren Amphitryon in dessen Burg und auf dessen Frau Alkmene steigt, ist ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2006
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Tobi Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Opfertod im Opernhaus

Die Intendantin führte aus, sie habe, nach dem Eintreffen der beunruhigenden Nachrichten und sobald ihr klar geworden war, dass sie weder Mitarbeiter noch Zuschauer ohne deren Wissen oder Zustimmung, sozusagen feldherrn­artig, in die ihr behördlich avisierte Schlacht werfen dürfe, den Versuch unternommen, unter den künstlerischen und technischen Angestellten ihres...

Zwischen Call-Center und Ochsenkarren

Ein Karren zuckelt die Straße entlang. Die Hörner der vorgespannten weißen Ochsen sind rot bemalt, die hölzernen Reifen quietschen bei jeder Umdrehung, und obenauf sitzt ein magerer Bauer mit Turban. Dicht hinter ihm klebt ein schneller Neuwagen japanischen Fabrikats. Am Steuer eine wütende Frau im Abendkleid, die hupt und in ihr Handy schreit. Ihre Welt ist so...

Im Dschungel von gestern

Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa...