Eine unglückliche Utopie
Woran krankt die Welt, an was mangelt es ihr? Wie ist sie zu stillen, die Sehnsucht nach einem besseren, wirklichen Leben? Und ist es möglich, einfach von vorne zu beginnen, mit neuen Normen, einer neuen Sprache?
Es sind die großen Fragen, die Fiston Mwanza Mujila in seinem jüngsten Stück «Der Garten der Lüste» verhandelt, einem Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin (Koproduktion mit den Frankfurter Positionen – eine Initiative der BHF-Bank-Stiftung).
Inspiriert von Hieronymus Boschs gleichnamigen Triptychon, liegen auch hier das Paradies, der Garten der Lüste und die Hölle dicht nebeneinander.
Über allem steht der Wunsch nach einem Neuanfang. Ein Professor im Ruhestand ist sich sicher, die meiste Zeit seines Lebens nichts Sinnvolles getan zu haben. In ihm reift die Vision von einem Garten, einem Ort, an dem alles gut sein wird, an dem es das Böse nicht mehr gibt. Eine neue Welt, ein Glücksversprechen ohne Grenzen. «Es gibt leider Menschen, die noch nie in ihrem Leben eine Vision domestiziert haben. Ich selbst besitze immer Visionen. Tausende von Visionen. Die Taschen und den Kopf voll von Visionen. Ich habe Visionen als Hochzeitsgeschenk anzubieten; Visionen zum Teilen; ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Franziska Trinkaus
Ich bin, das mal vorausgeschickt, keine technikaffine Person. Immer, wenn ich ins Internet gehe, weiß ich nicht genau, was ich da eigentlich soll. Das Überangebot an Möglichkeiten verschreckt mich. Um es nutzen zu können, müsste ich ja wissen, was mich interessiert. Oft weiß ich das nicht. Beziehungsweise, es interessiert mich eigentlich alles! Diese Einstellung...
Vor dem Fernseher sitzt eine Gestalt, die aussieht wie tot. – So beginnt die Regieanweisung der zweiten Szene. – Die Gestalt schaut sich eine uralte Vogelsendung an, in der dieselbe Szene ständig wiederholt wird: Exotische Vögel flattern auf. Neben der Gestalt sitzt «der Bruder». Er ahmt die gleiche tote Erscheinung seines Vaters nach. Die Mutter fegt den Fußboden....
Elfriede Jelineks Stück «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!» gleicht einem Flug durch den gewaltigen Nebel an Gerede, der sich im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie vor allem in den digitalen Medien ähnlich rasant verbreitet hat wie das Virus selbst. Bemerkenswert ist, wie Jelinek im lauten Streit «aufrichtiger Meinungen» ein Netz verdeckter Korrespondenzen...
