Die Sehnsucht im Mauszeiger
Eine Schnapsidee war es nicht. Aber Weißweinschorle war im Spiel am Abend der Initialzündung, räumt Cosmea Spelleken ein. «Im ersten Lockdown saß ich mal mit einer befreundeten Schauspielerin zusammen, und wir waren uns einig: Wenn wir noch einmal online zusehen, wie Schauspieler vor ihrer Laptop-Kamera Märchen vorlesen, dann schreien wir.» Ja, klar, die Bühnen hatten den Schock der Schließungen zu verdauen. Trotzdem: «Wenn man online geht, kann man sich doch auch überlegen, welcher Stoff dazu passt.
»
Mit dem richtigen Stoff waren Spelleken und ihr Team dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Gut, man mag diskutieren, ob das Internet ein Ort ist. Aber als im November 2020 alle Theater unter dem Schock eines zweiten Lockdowns standen, ging die Premiere von «werther.live» über eine virtuelle Bühne, die sich das Potenzial der Online-Kommunikation schlüssig zunutze macht: Da plaudert Werther (Jonny Hoff) im Videochat mit seinem in Paris studierenden Kumpel Wilhelm (Florian Gertels), der Links zu den Instagram-Profilen seiner jüngsten Eroberungen schickt. Und Lotte (Klara Wördemann) kommt über eine eBay-Kleinanzeige ins Spiel: Sie bietet ein Buch über Waffen aus dem 19. Jahrhundert ...
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 120
von Andreas Jüttner
Telegram Chatgruppe von punktlive am 23.5.21 Members:
Cosmea Regie, Berlin
Lotta Liveschnitt & Assistenz, Wien
Leo Technische Konzeption, Freiburg
Sofie Produktion, Stuttgart
Jonny Schauspiel, Bochum
Flo Schauspiel, Augsburg
Klara Schauspiel, Wiesbaden, für die Dauer des Chats aber in Griechenland im Urlaub
Cosmea hey Leude, Theater heute hat gefragt ob...
Neulich lag ich im Bett mit zwei Chilenen, einer Brasilianerin, einer älteren Indonesierin, einem Pärchen aus Los Angeles und ein paar Russen. Wir hörten Madhusree zu, wie sie ein altes bengalisches Lied sang. Bei ihr in Kalkutta war es spät in der Nacht, und selbst bei Sunny, die mittlerweile in Talinn lebt, war durch das Fenster draußen schon die esthnische...
Mein intensivstes Theatererlebnis in dieser unglaublich schweren Spielzeit, die jetzt endlich zu Ende geht, hatte ich nicht im Theater, sondern vor dem Bildschirm. Und mit Bildschirm meine ich in diesem Fall tatsächlich den des Smartphones. Es waren die letzten Momente eines Events des twitch-Streamers Ludwig Ahrgren, das unter dem Namen «Subathon» googlebar ist...
