Eine unglückliche Utopie

Fiston Mwanza Mujila «Der Garten der Lüste»

Theater heute - Logo

Woran krankt die Welt, an was mangelt es ihr? Wie ist sie zu stillen, die Sehnsucht nach einem besseren, wirklichen Leben? Und ist es möglich, einfach von vorne zu beginnen, mit neuen Normen, einer neuen Sprache? 

Es sind die großen Fragen, die Fiston Mwanza Mujila in seinem jüngsten Stück «Der Garten der Lüste» verhandelt, einem Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin (Koproduktion mit den Frankfurter Positionen – eine Initiative der BHF-Bank-Stiftung).

Inspiriert von Hieronymus Boschs gleichnamigen Triptychon, liegen auch hier das Paradies, der Garten der Lüste und die Hölle dicht nebeneinander. 

Über allem steht der Wunsch nach einem Neuanfang. Ein Professor im Ruhestand ist sich sicher, die meiste Zeit seines Lebens nichts Sinnvolles getan zu haben. In ihm reift die Vision von einem Garten, einem Ort, an dem alles gut sein wird, an dem es das Böse nicht mehr gibt. Eine neue Welt, ein Glücksversprechen ohne Grenzen. «Es gibt leider Menschen, die noch nie in ihrem Leben eine Vision domestiziert haben. Ich selbst besitze immer Visionen. Tausende von Visionen. Die Taschen und den Kopf voll von Visionen. Ich habe Visionen als Hochzeitsgeschenk anzubieten; Visionen zum Teilen; ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Neue Stücke, Seite 151
von Franziska Trinkaus

Weitere Beiträge
Digitale Höhlen

Hotels – wir kennen sie als Durchgangsräume par excellence, Orte temporären Zuhauseseins, gleichzeitig in ihrer Blütezeit Embleme einer in der Selbstrepräsentanz zu sich gekommenen Gesellschaft. Emre Akal lädt uns in seinem neuen Stück in ein besonderes Exemplar der Gattung ein. Das digital-eskapistische «Hotel Pink Lulu» verspricht genau das zu sein: Durchgangsort...

«Nicht reden, einfach weitermachen»

Da war doch was. Richtig, ganz links hinten im Keller, dort, wo die alten abgelegten Selbstfeiern von Intendanten (damals in aller Regel männlich) lagern, die sich in dicken Büchern nach fünf Jahren Amtszeit eine «Ära» bescheinigt und in teuren Prachtbänden eingesargt haben, da wartet er geduldig, der einsame, graue Diamant. «War da was?» hieß demonstrativ...

Im Globalen Globe

Neulich lag ich im Bett mit zwei Chilenen, einer Brasilianerin, einer älteren Indonesierin, einem Pärchen aus Los Angeles und ein paar Russen. Wir hörten Madhusree zu, wie sie ein altes bengalisches Lied sang. Bei ihr in Kalkutta war es spät in der Nacht, und selbst bei Sunny, die mittlerweile in Talinn lebt, war durch das Fenster draußen schon die esthnische...