Eine moralische Anstalt

die trotzdem Spaß macht: Die Schweizer Formation Far A Day Cage will die Welt verbessern, aber dabei das Spielen nicht vergessen

Theater heute - Logo

Wer je in einem Flugzeug saß, das vom Blitz getroffen wurde, weiß, wie es knallt. Ein Faraday-Käfig ist eine geschlossene Hülle, in der man sich unversehrt durch Gewitter und Blitz bewegen kann. Das ist eine schöne Namensmetapher für Künstler, die sich am liebsten in den Hauptelektrizitätsfeldern der Gegenwart aufhalten. «Far A Day Cage will nicht moralisch sein, aber trotzdem die Welt verbessern», deklariert die Truppe, merkbar unter Eigenspannung, und: «Far A Day Cage ist kritisch, aber auch selbstkritisch, ironisch und lacht oft über sich selbst. Far A Day Cage ist Kunst.

Far A Day Cage ist Business. Far A Day Cage ist Familie.»

 

Vom «Oneweekstand» zu «MyState»

Far a day, auseinander buchstabiert, weist allerdings auch weiter, nämlich in die fernen Tage der Utopie; und John Cage war jener Komponist, der wie kein zweiter dem Zufall seinen Platz in der Kunst angewiesen hat. Nicht wenig an Physik, Ästhetik und Methodik also, was sich die Truppe um Regisseur Tomas Schweigen aufs Banner geschrieben hat. An der Zürcher Hochschule der Künste fanden sie sich, seit 2004 haben sie sich, ausgehend vom Theaterhaus Gessnerallee und mit Auftritten bei den einschlägigen Festivals, vom ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2010
Rubrik: Freie Szene, Seite 10
von Andreas Klaeui

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schwarzer Mann hinterm Zaun

Bei Denzel Washingtons erstem Auftritt in olivgrüner Uniform und mit der Ginflasche in der Hand brechen die Zuschauer in ekstatischen Jubel aus. Danach hängen sie an seinen Lippen. In der seit 1987 ersten Broadway-In­szenierung von August Wilsons Pulitzerpreis-Stück «Fences» dominiert Washington als zorniger Alltagsheld Troy Maxson die Bühne. Je­desmal, bevor Troy...

Genesis ins Elend

Die Hartz-IV-Gesetzgebung erweist sich wieder einmal als Vehikel für den Verlust menschlicher Werte. So jedenfalls erzählt Henriette Dushe ihre Parallel-Geschichte zur Genesis: Einem paradiesischen Urzustand
folgt der Absturz in ein jämmerliches Dahin­vegetieren.

Eine heitere Ursprungslandschaft zu Beginn, überquellend von Pflanzenwuchs und allerlei Getier. Hier...

Kuscheln, teilen, Global Player werden

Bunte Farbkleckse vor der Hamburger Handelskammer signalisieren an diesem sonnigen Frühlingstag «Kultur». Für 220 Euro darf man durch das mit steinernem Stadtwappen, Füllhorn und Fruchtgebinden geschmückte Hauptportal treten und auf der Treppe zu Statuengott Merkur aufsteigen. Im repräsentativen Saal der ehemals Neuen Börse am Jungfernstieg findet das...