Eine Leiche mehr

Frank Castorf kreuzt am Théâtre Vidy-Lausanne Racines selten gespieltes Drama «Bajazet» mit Artauds «Das Theater und die Pest»

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Roxane kocht Gemüsesuppe, und alle Mord-und-Rache-Fantasien Racines landen im Kochtopf. Es ist ein Ereignis. Wie die Schauspielerin Jeanne Balibar sich ihre Kraut- und Sellerieköpfe zurichtet, wie sie die Tomaten blutig quetscht, dem Suppenfleisch eine Abreibung mit Kochsalz verpasst – das hat Klasse und sagt beiläufig was aus über ein Frauenbild. Dass Balibar dabei völlig nackt ist, sagt noch mal was anderes aus über ein spezifisch Castorfsches Frauenbild, das ist eine Diskussion für sich. Selbst der Wesir Acomat und sein Berater Osmin müssen die Köpfe schütteln.

Immerhin erfährt die Nacktheit auch eine gewisse dramaturgische Stringenz, indem Roxane anschließend von den beiden Serails-Magistraten angezogen und gleichzeitig domestiziert wird, sie spreche bei Racine mit «schüchter­ner Stimme», erinnern sie Balibar. Deren Nacktheit mithin fürs Ungezähmte, Unzivilisierte, Wilde und Ekstatische stehen mag, das auf der literarischen Ebene die Texte von Antonin Artaud der Inszenierung beisteuern. 

Macht und Liebe im Dreieck 

Es ist dies, der Aufruhr, der Castorf an Racines Figuren interessiert. «Bajazet» spielt im Serail eines ottomanischen Sultans mit Namen Amurat, welcher aber selbst ...

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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Andreas Klaeui

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