Ein Museumsstück von Mann
Es gibt in Zürich unter den Theatergängern die Masucci-Debatte. Die einen finden, dass Oliver Masucci immer aussieht wie nach einem Boxkampf oder Pornodreh, und dass diese Repräsentation von Männlichkeit beziehungsweise diese Art von Mannsein doch einfach ganz und gar uninteressant sei. Die andern finden es unendlich erfrischend, dass da nach Jahren, ja nach Generationen ausgemergelter Androgyner, bei denen man nie wusste, wie metrosexuell das nun wieder gemeint war, wieder einmal einer spielen darf, für den Männlichkeit keine Krise zu sein scheint. Ein Klassiker von Mann.
Einer, der in Basel auf der Bühne steht, als Stanley Kowalski in Tennessee Williams’ «Endstation Sehnsucht», und aussieht wie eine Reinkarnation von Marlon Brando.
Oliver Masucci, 39, der gerade mit blasenübersäten Händen im Gartenrestaurant des Zürcher Schiffbaus sitzt, weil er am Vortag in seinem Garten «15 Stämme mit der Machete niedergemacht» hat, spielt fast immer klare Charaktere. «Echte» Männer, deren Kraft im Körper steckt, nicht unbedingt im Geist. Die innen drin manchmal jegliche Relation für den Rest der Welt, jedes Gespür für Moral und Menschlichkeit verlieren, wie der englische Kriegsheimkehrer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist wahrscheinlich eines der aufwändigsten Bilderbücher, die je erschienen sind, ein veritables Stück Buchkunst, das nach den vielen virtuellen Hamletvariationen der letzten Jahre nun auffällig ausdrücklich auf physische Präsenz und Sinnlichkeit setzt: Herbert Fritschs neueste hamlet_X-Darreichung, für die er sich diesmal mit Sabrina Zwach, Dramaturgin und...
Ein Mann kommt auf die Bühne, setzt sich hinter das bereitgestellte Piano, greift zur E-Gitarre und zupft ein paar perlende Moll-Akkorde. Ein anderer schleppt einen Eimer Farbe herbei, zückt die Malerrolle und streicht schüchterne Linien in Schwimmbadblau auf die Leinwand. Weitere Leute, hübsch exzentrisch gekleidet, verteilen sich im Raum und fangen zu tanzen an:...
Ich will ein Feuerwerk, kein ängstliches Gepiepse! Und zweihundert Prozent Disziplin!», ruft der Musiklehrer Aaron Grahovac, und in den überfüllten Probenraum der Berliner Bettina-von-Armin-Oberschule im Märkischen Viertel zieht ein Hauch von Dieter Bohlen ein. «Wer das nicht schafft, der kann jetzt noch gehen!» Alles schweigt und schaut den schwarz gekleideten...
