Eine Frage des Kollektivs
Ungefähr auf der Hälfte des Romans fragt Harris seine Frau, was denn eigentlich los sei. Fieberhaft überlegt die Ich-Erzählerin, was sie anstelle der Wahrheit sagen könnte – anders als sie Harris erzählt hat, ist sie nämlich gar nicht mit dem Auto von L.A. nach New York gefahren, sondern hat sich bereits im Vorort Monrovia in den viel jüngeren Tankstellengehilfen Davey verguckt und dort zwei Wochen im Motel gewohnt. Seit ihrer Rückkehr zu Mann und Kind ist sie krank vor Liebeskummer. «Ich glaube, es sind die Wechseljahre», fällt ihr schließlich ein.
Von da an und von hier aus zurückblickend ist Miranda Julys «Auf allen Vieren» tatsächlich eine Art Wechseljahresroman – und obendrein ein sehr erfolgreicher.
Erstaunlicherweise hat sich kein Stadttheater, sondern ein eigens zu diesem Zweck entstandenes zwölfköpfiges Frauenkollektiv mit zwei prominenten Schauspielerinnen an der Spitze die Rechte gesichert und eine Koproduktion zwischen Berliner Sophiensaelen, Theater im Pumpenhaus Münster und den Théâtres de la Ville Luxembourg auf die Beine gestellt. Hanna Roxane Scherwinsky hat den Festsaal der Sophiensaele in eine Art Bettenshowroom verwandelt: Üppig gepolsterte Matratzen liegen ...
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Theater heute April 2026
Rubrik: Freie Szene, Seite 50
von Eva Behrendt
Christine Wahl Frau Schlewitt, herzlichen Glückwunsch zum Theaterpreis des Bundes 2026! In einem Text über Ihr Haus wird eine Zuschauerin mit dem Satz zitiert: «Wenn es HELLERAU nicht gäbe, wäre ich schon längst weg aus Dresden.» Was findet sie bei Ihnen, was ihr sonst in der Stadt fehlt?
Carena Schlewitt Ich glaube, ein großer Reiz besteht tatsächlich darin, dass...
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