Eine Frage der Persönlichkeit
Bevor es losgeht, muss ich kurz erklären: Normalerweise halten wir uns in unserer Redaktion an die Regel, dass keine älteren männlichen Kritiker über 20 bis 30 Jahre jüngere Schauspielerinnen schreiben. Paternalistisch wäre das ohnehin, da gibt es kein Entkommen, aber auch die Gefahr, in die Untiefen blümeranterer Anbetungsmetaphorik zu stolpern, ist einfach sehr groß. Kurz: Wir machen nur in besonderen Fällen Ausnahmen, die man jeweils besonders gut begründen muss, und das werde ich jetzt versuchen.
Denn erstens bin ich vom Freundeskreis des Schauspiels Bochum angesprochen worden, hier vorzutragen, zweitens ist Gina Haller wirklich eine Ausnahme wert.
Wer über Gina Haller redet, muss über Ophelia reden beziehungsweise von der Ophelia, die sie nicht gespielt hat. Die berühmteste Wasserleiche der Weltliteratur ist schon von vielen großen Schauspielerinnen zu retten versucht worden, aber das Risiko, dabei selbst im feuchten Grund weiblicher Klischees zu versinken, hat sich oft genug gerächt. Die junge Frau, die ihren Geliebten nicht mehr versteht und dann aus Enttäuschung ins sprichwörtliche Wasser geht, wie das Stück in aller Regel verstanden wird, klingt mehr nach Rosamunde ...
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Theater heute 12 2022
Rubrik: Akteure, Seite 34
von Franz Wille
Als Stalin persönlich ihn anruft, flippt er aus. Zumindest so, wie ein durch und durch rationaler Naturwissenschaftler eben ausflippen kann. Ein Dauerjuckreiz scheint seinen ganzen, verklemmten Körper zu überkommen. Er kratzt und windet sich, biegt sich herrlich unbeholfen in alle Richtungen. Dann stottert er Unverständliches und zuckt wie ein Epileptiker, bevor er...
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Ihr erstes Theaterstück hat die 28-jährige Amanda Lasker-Berlin mit 18 geschrieben, und ihr Kunststudium an der Bauhaus-Universität in Weimar hat sie ab -gebrochen, um stattdessen in Ludwigsburg Theaterregie zu inskribieren. Trotzdem hat Lasker-Berlin als Autorin bisher eher mit Prosa reüssiert. Während ihr bei den Autorentheatertagen in Berlin 2021 uraufgeführtes...
