Eine Fassade ohne Haus
Man wünscht sich Kategorien, wenn man über Künstler spricht. Man möchte sagen können: Der macht Musiktheater, performt, macht Aktionskunst. Man möchte sagen können: Der ist ein Mann, die ist eine Frau. Man möchte den Künstler irgendwie fassen. Und der erste große Stein, den einem Tucké Royale in den Weg legt, wenn man versucht, etwas über seine Kunst zu sagen, ist, dass diese Kategorien auf ihn allesamt nicht anwendbar sind.
Dass ihm schon Einordnungen wie Mann, Frau, Transsexualität oder Homosexualität zuwider sind, stellte Royale früh klar.
In seiner ersten größeren Arbeit, einer Soloperformance mit dem selbstbezüglichen Titel «Tucké Royale», beschrieb er sich 2011 als «Pseudo-Hermaphroditen»: «Ein Pseudo-Hermaphrodit ist kein Hermaphrodit», hieß es da. «Ein Pseudo-Hermaphrodit ist keine Frau. Ein Pseudo-Hermaphrodit ist auch kein Mann. Ein Pseudo-Hermaphrodit ist ein Zwitter. Naja. Ein Pseudo-Hermaphrodit ist kein richtiger Zwitter. Ist ein Pseudo-Zwitter … Ich bin Pseudo! Ich bin eine Fassade ohne Haus. Äußerer Schein, das Als-ob. Wie das Theater.» Das ist nicht in erster Linie eine Beschreibung einer sexuellen Identität, das ist ein ästhetisches Programm.
Ein Programm, das ...
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Theater heute Juli 2018
Rubrik: Akteure, Seite 26
von Falk Schreiber
Wer ist Rieke? Unter dieser unausgesprochenenen Überschrift steht «Verzicht auf zusätzliche Beleuchtung», das neue Stück von Oliver Bukowski, das in der Regie von Stephan Rottkamp bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen als Koproduktion mit dem Deutschen Nationaltheater zur Uraufführung kam. Wer ist also diese Rieke?
Eine erste Antwort liefert Kathrin Frosch mit...
Am Anfang war der Schaumstoff. Acht Köpfe – große, kleine, eckige, breite, zerknautschte, tierische, humanoide – linsen hinten über die schräg nach vorn gekippte Spielfläche und skandieren Schöpfungssätze aus der Genesis. Zwischendurch gucken sie sich an, kommentieren das Gesagte, kichern zu den selbstgeklopften Grantlsprüchen wie Waldorf und Statler aus der...
Es beginnt mit einem Lächeln. Mit einem von dieser beiläufigen, fast privaten Sorte, wenn Schauspieler anzeigen wollen, dass sie ihre Sache locker angehen. Und es ist auch ein Bild, das Ironie verträgt: wie Sarah Franke als Hedda Gabler da auf einem schwarzen Schwan hereingeschoben wird, wie ein Lohengrin-Zitat. Dafür also ein Lohengrienen. Und auch für den...
