Eine Art Gift
Der Auftrag für dieses Stück – vielleicht sollte man bei einem Autor vom Rang Dennis Kellys besser von Einladung sprechen – wurde vor Jahren ausgesprochen. Aber wie so oft, wenn man es mit gut beschäftigten Autoren zu tun hat, verschob sich die Abgabe des Textes wieder und wieder. Tatsächlich jedoch nicht, wie der Autor zwischenzeitlich zu Protokoll gab, weil er nicht an dem Theatertext gearbeitet habe, sondern ganz im Gegenteil – er habe an drei Stücken zu arbeiten begonnen, sie seien bloß einfach nicht gut genug gewesen.
Dann aber endlich: «The Regression» – «Der Verzicht».
Als das Stück, das weder Rollenverzeichnis noch Rollennamen und auch keine Akt- oder Szeneneinteilungen kennt, abgeschlossen wurde, war die Corona-Krise noch nicht in Sicht. Und dennoch liest sich «Der Verzicht» in Teilen und ja, in seiner ganzen politischen Behauptung, nahezu prophetisch. Und das nicht etwa nur, weil sich darin dieser Dialog findet:
«Vielleicht hätten sie wissen müssen, dass Zerstörung sich ausbreitet wie … ein Virus.
Aber niemand hätte vorhersehen können, wie schnell sie sich ausbreiten würde
Manche nannten es Krawalle, manche zivilen Ungehorsam
manche nannten es einen Aufstand
Aber alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Oliver Reese
Um in Corona-Zeiten Julia Oschatz, die Bühnenbildnerin des Jahres, zu treffen, muss man sich auf den Weg machen. Die 1970 in Darmstadt geborene, in Berlin lebende Künstlerin hat sich zur Zeit in ihr Atelier zurückgezogen, 100 km Landstraße von Berlin entfernt, in einem kleinen Dorf in Sachsen-Anhalt. Hinterm Elbdamm grasen Pferde und weiße Kühe, Enten quaken,...
Zoom-Meeting mit Barbara Mundel und Matthias Lilienthal. Beide sitzen in den Münchner Kammerspielen, aber in verschiedenen Räumen.
Theater heute Wir sind überrascht, Sie vereinzelt zu sehen – Abstand hin oder her. Sie haben schließlich schon mal an der Volksbühne ein Büro miteinander geteilt?
Matthias Lilienthal Zweimal. In Berlin und vorher in Basel.
Barbara...
Ich bin nicht souverän. Kann es nicht sein, noch immer nicht, obwohl die Freiräume wieder größer werden. Die Zeit arbeitet für uns, denkt man, beruhigt man sich. Ja, wir werden wieder Theater spielen. Der Spuk wird ein Ende haben. Aber souverän? NEIN. Ich schaffe das nicht, denn ich muss zugeben, dass ich verstörende Tendenzen in meiner Psyche entdecken musste, auf...
