Einblicke ins Fremdsein

Falk Richter schreibt und inszeniert in der Berliner Schaubühne seinen Erinnerungstext «The Silence», Stephan Kimmig bringt in Hannover Michel Friedmans «Fremd» auf die Bühne

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Das letzte Wort bekommt die Mutter. Was sie sich für ein Leben gewünscht hätte, wenn etwas anderes möglich gewesen wäre. Zur Schule gehen vielleicht, meint sie, vielleicht einen richtigen Beruf erlernen. Ärztin habe sie immer werden wollen.

Aber das war nicht möglich für eine Frau, die mit vier Jahren, fünf Geschwistern und der Mutter aus Ostpreußen in ein Dorf bei Hamburg fliehen musste, vorbei an vielen Toten und Fliegerangriffen, und dann auf einem Bauernhof, wo sie Zuflucht gefunden hatte, anpacken musste; mit 10 einen gewalttätigen, durch Krieg und russische Gefangenschaft schwer traumatisierten Vater und Spätheimkehrer erleben musste; die schließlich mit 20 Jahren von ihrem Chef im Bürojob schwanger wurde ohne je sexuell aufgeklärt worden zu sein, und dann noch neun Jahre abgeschoben in einer kleinen Wohnung als alleinerziehende Mutter warten musste, bis der Vater ihrer Tochter sie doch geheiratet hat. Aber Frau Richter beklagt sich in keiner Weise. Es sei normal gewesen, wie es war. Und wenn etwas normal sei, dann versuche man eben, das Beste daraus zu machen.

Was der Regisseur und Autor Falk Richter, 52, in «The Silence» an privater Familiengeschichte auspackt, ist nichts ...

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Theater heute Januar 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille

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