Ein tiefer Atemzug Hoffnung

Zwiegespräch zweier Denker im Exil: Hanns Zischler und Martin Wuttke lesen aus dem Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und Walter Benjamin

Theater heute - Logo

Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigs­tens verspätete Rezeptionsgewinne.

Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard ohne seine inneren Qualen, was Max Weber ohne seine sexuellen Pathologien und langwierigen Depressionen? Doch solcherart Ruhm ist stets auch ein Risiko für eine intellektuelle Vita: Alle Welt kennt heute Hannah Arendt als Geliebte Martin Heideggers, während ihre Philosophie hinter dieser privaten Leidenschaft mitunter fast verschwindet.

Solch eigentümlich miteinander ver­wobenes Geflecht von Leben und Den­ken, inklusive Vor- und Nachteile, prägt zweifellos auch die Wirkungsgeschichte von Theodor W. Adorno und Walter Ben­jamin. Beider persönliches Drama war das Exil, in das sie nach 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozia­lis­ten in Deutschland gezwungen wurden. Zwei Pariaexistenzen im Überle­bens­kampf, im intellektuellen und wortwört­lichen Sinne – dieses tragische Schau­spiel bewegt zu Recht die Fanta­sie der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Medien/TV, Seite 88
von Alexander Cammann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Geht auch ohne Worte

Dies ist das Protokoll eines übergroßen Unverständnisses, ja eines Nicht- oder vielleicht gar Missverständnisses. Eines lupenreinen Nicht-Verstehen-Könnens, was an einer bestimmten Produktion namens «Alkestis», verfasst von Euripides, inszeniert von Emma Dante, gut sein soll. Wo, außer im rein Dekorativ-Possierlich-Possenreißerischen, sich denn da ein Sinn...

«Give me 9/11 every day!»

Manchmal muss man sehr früh aufstehen, um nichts zu verpassen. Als sich an diesem Montagmorgen im Juni ein Grüppchen Menschen beim vereinbarten Treffpunkt im Wiener Museumsquartier eingefunden hat, ist es kurz nach drei Uhr morgens und noch dunkel. Die wackeren Leute sind gekommen, um die Premiere der niederländischen Performance «Het blauwe uur» («Die blaue...

Chamäleon ohne Erfolgsrezept

Eine Beschreibung François Ozons beginnt man am Besten mit einem Paradox: Er ist einer der erfolgreichsten französischen Regisseure der letzten zehn Jahre, aber er ist nicht sehr beliebt. Wo sonst Popularität bei einem gewissen Grad von Erfolg sich wie von selbst einstellt, klafft bei Ozon eine Lücke. Der 39-jährige gebürtige Pariser verfügt über keine...