Ein tiefer Atemzug Hoffnung
Noch immer dient das Leben großer Geister dem voyeuristischen Publikum als Beglaubigung für deren Denken. Eine existentielle Grundierung einsamer Schreibtischkämpfe befördert zumeist den Nachruhm; materielle oder seelische Nöte bewirken dann wenigstens verspätete Rezeptionsgewinne.
Was wäre Nietzsche in unseren Augen ohne sein umnachtetes Ende, was Kierkegaard ohne seine inneren Qualen, was Max Weber ohne seine sexuellen Pathologien und langwierigen Depressionen? Doch solcherart Ruhm ist stets auch ein Risiko für eine intellektuelle Vita: Alle Welt kennt heute Hannah Arendt als Geliebte Martin Heideggers, während ihre Philosophie hinter dieser privaten Leidenschaft mitunter fast verschwindet.
Solch eigentümlich miteinander verwobenes Geflecht von Leben und Denken, inklusive Vor- und Nachteile, prägt zweifellos auch die Wirkungsgeschichte von Theodor W. Adorno und Walter Benjamin. Beider persönliches Drama war das Exil, in das sie nach 1933 durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland gezwungen wurden. Zwei Pariaexistenzen im Überlebenskampf, im intellektuellen und wortwörtlichen Sinne – dieses tragische Schauspiel bewegt zu Recht die Fantasie der ...
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Wenn es um die Schnittstelle von Bildender Kunst und Theater geht, gehört der 1960 geborene Filmemacher und Regisseur Christoph Schlingensief zu den Grenzgängern par excellence. In den 90er Jahren mischte er mit talkshowartigen Abenden («100 Jahre CDU», «Schlacht um Europa»), politischer Aktionskunst («Bahnhofsmission Schlingensief», «Chance 2000», «Ausländer...
In Memmingen vor einem Jahr hätte es einen veritablen Skandal geben können. Aber irgendwie kam die ganze Sache nie so richtig an die Öffentlichkeit, dann wuchs auch schon Gras drüber, und heute, wenn man die gedeckelte Geschichte noch einmal zur Sprache bringen will, erntet man nur noch ein müdes Lächeln. Auch von denen, die damals direkt beteiligt waren bei den...
Alles Lebensglück der Buddenbrooks wurzelt in ihren Bilanzen; und die sehen schlecht aus. Von einstmals 900.000 Vermögen sind der Lübecker Kaufmannsfamilie in der dritten Generation noch 750.000 geblieben. Es hätte längst «eine Million» sein sollen, erinnert Stammhalter Thomas Buddenbrook an das merkantile Wachstumsversprechen der Seinen, während er selbst zum...
