«Wir sind immer noch koloniale Imperialisten»
Eva Behrendt: Frau Leysen, wenn man sich das «Theater der Welt»-Programm anschaut, das Sie kuratiert haben, fällt auf, dass die üblichen Genrebezeichnungen gar keine Rolle mehr spielen. Sie haben sogar neue erfunden, etwa ein «Mülheimer Gesellschaftsspiel» oder «Dokufiktionspanel» oder «Endzeitszenario-Konzert» usw. Was für eine Idee steckt dahinter – wollten Sie Theater der Welt in eine Art documenta oder Biennale verwandeln?
Frie Leysen: Nein, Theater der Welt ist Theater der Welt.
Aber wenn man heute über zeitgenössische Künste spricht, dann gibt es keine Sparten mehr. Die jungen Künstler sind in verschiedenen Genres zuhause, das kann man an ihren Biografien ablesen. Der Ungar Kornél Mundruczó zum Beispiel ist als Filmemacher oft in Cannes eingeladen, aber er inszeniert auch Theater – und das ist für ihn absolut normal. Auch die Produktionen selbst sind oft Hybride, Guy Cassiers aus Antwerpen beispielsweise stellt das bewegte Bild auf die gleiche Ebene wie die Schauspieler und den Text. Deswegen muss man eigentlich über Künste der Welt sprechen. Und ich würde sogar noch weiter gehen: Ich möchte bei Theater der Welt nicht nur eine Reihe schöner, interessanter Produktionen ...
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Bernd Noack Eines der berühmtesten Argumente, warum die Stücke Shakespeares nicht von Shakespeare sind, beruht darauf, dass so viele der Dramen in Italien spielen. Und wie kann ein Autor, der noch nie in Italien war, so viel über das Land und die italienische Atmosphäre wissen? Andererseits: Karl May war auch nie in Amerika ...
Frank Günther Genau, ein großes...
Vielleicht erklärt die alte Cécile aus «Quai West» an diesem langen, dunklen Abend am besten, was Andrea Breth mit ihrer Inszenierung ausdrücken wollte. Sie fühle sich, sagt die Nachfahrin von Inka-Indianern, «wie eine Fliege, die im Schrank eingesperrt ist und am Ende des Tages stirbt, ohne dass der Schrank auch nur einen Spaltbreit aufgegangen wäre».
Aus Mexiko...
