In der Laborkrabbelkiste
Vor ziemlich genau zehn Jahren eröffnete Thomas Ostermeier seine Intendanz der Berliner Schaubühne mit einem Stück von Lars Norén: «Personenkreis 3.1» spielte auf einem Drogenumschlagplatz und zeichnete die Ausgeschlossenen der Gesellschaft, das Prekariat (ein seinerzeit noch unbekanntes Wort), mit plakativem «Seht her»-Gestus ans Bürgertum des oberen Kudamm-Endes. Ostermeier trat an mit umstürzlerischem Elan und ist seitdem schwer auf dem Boden der (nicht zuletzt ökonomischen) Tatsachen angekommen.
Volle Säle und weltweiten Tournee-Erfolg heimste der desillusionierte Chef ausgerechnet mit Stücken ein, die sich dem am Mittelmaß statt am Notstand leidenden Bürgertum widmeten, mit Ibsens Ehedramen «Nora» und «Hedda Gabler». Der Lars Norén, mit dem Ostermeier das Zehnjährige begeht, ist da konsequent (und vielleicht nicht frei von ein wenig bitterer Selbstironie) der vor-prekäre Norén in der Ibsen-Nachfolge: «Dämonen» (1984) ist ein Stück aus der nicht mehr ganz top-aktuellen Hausfrauen-Ehe-Hölle, in dem sich zwei mitteljunge Paare, eins mit Kindern, eins ohne, einen Abend lang in «Virgina-Woolf»-Manier das Eingemachte um die Ohren knallen.
Sie sitzen dabei, auch das ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Aachen, Grenzlandtheater
Kasse: 00 41/1/261 21 79
16. Goos, Alte Freunde
R. Ulrich Wiggers
Altenburg/Gera, Theater
Kasse Altenburg: 03447/585 161
Kasse Gera: 0365/827 91 05
16. nach Tschechow, Drei Schwestern
R. Tabea Hörnlein
Baden-Baden, Theater
Tel.: 07221/932 700
15. Beyeler, Wie Ida einen Schatz versteckt und Jakob keinen findet
R. Anja...
Der Mauerfall war der mediale Dauerfall letztes Jahr. Dass sich aus der Masse der immergleichen «Wahnsinn!»-Konserven und Mauermelodramen noch einmal etwas Neues, gar Überraschendes herausholen lässt, war eigentlich nicht zu erwarten. Der 1970 in Magdeburg geborene Thilo Reffert aber hatte den wunderbaren Einfall, ein wohl legendäres Ereignis seiner...
«Alles, was eine große Wirkung getan hat, kann eigentlich nicht mehr beurteilt werden.» Das hat Goethe zu Kanzler von Müller gesagt. Ein Beispiel dafür ist, was «der Schlegel-Tieck» genannt wird. Generationen haben den Doppelnamen aus dem väterlichen Bücherschrank buchstabiert. Aber der große deutsche Shakespeare-Übersetzer hieß August Wilhelm Schlegel.
Schlegel...
