Durch die Wüste

Sylvana Krappatsch wünscht sich angstfreies Fragen, Denken, Spielen

Theater heute - Logo

Was die Sehnsucht, Theater zu spielen, nährt? Mit welcher Verheißung das Theater verführt – was das ganze «Theater» soll, was es können sollte? Das zu beschreiben, braucht es eine Geschichte, die Geschichte von den blauen Tüchern.

Vor vielen Jahren, mit einem Freund auf einer Fahrt durch die marokkanische Wüste, stand winkend ein alter Mann am Ausgang einer Siedlung und bedeutete uns, anzuhalten. Neben ihm ein Junge; er sprach etwas Französisch, der Alte nur Arabisch. Wir begriffen bald, dass wir den Jungen in eine einige Kilometer entfernte Oase mitnehmen sollten.

Er sei der Sohn des Oasenhäuptlings, wir würden dort auf Nomaden mit ihren Kamelen treffen, hätten die Chance auf eine seltene Begegnung … Ich war überzeugt, dass nichts davon stimmen könne, und versuchte, meinen Freund von der Fahrt abzuhalten. Er jedoch glaubte den beiden – und so fuhren wir mit dem fremden Kind auf dem Rücksitz durch die marokkanische Wüste. Ich war mir sicher, dass wir spätestens nach dem nächsten Hügel einen Hinterhalt zu erwarten hatten: Wenn nicht Kopf ab, dann doch wenigstens Auto weg; ich sah uns nackt durch die Wüste kriechen, ohne Wasser, ohne Brot … Doch es gab diese Oase; alles, was die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utopien, Seite 132
von Sylvana Krappatsch

Weitere Beiträge
Such a mixed picture

Oben könnten wir uns doch treffen, hatte er auf Englisch ins Handy gesagt, high up am Grünen Hügel in Bayreuth, vor dem Festspielhaus, da mache er gerade die Wiederaufnahme mit Castorf für den «Ring».

Oben klingt gut, oben ist die Richtung, in die einen Aleksandar Denic sowieso immer gucken lässt in den Schachtelburgen, die er bisher im deutschsprachigen Raum...

Die exterritoriale Position

(Wäre es nicht schön, wenn Theatermachen nicht bedeutete, dass in Reihe drei jemand sitzt, der im narzisstischen Rausch abgerichtete Menschen anschreit und von A nach B schiebt und das auch noch beim sogenannten «Inszenieren» (hahahaaaa) eines heruntergekommenen und schon an Ort und Stelle fragwürdigen Stückes, das nicht der Gegenwart, sondern größtenteils nach...

Der Cowboy auf der Maximilianstraße

Im ersten Spielzeitbuch zu Beginn seiner Intendanz 2010 in München ist ein Foto abgedruckt. Es zeigt Johan Simons, der die Maximilianstraße überquert. 45 Jahre früher hat er, Johan Simons, zum ersten Mal die Maximilianstraße überquert. 1965 war das. Johan war gerade mit dem Bus angekommen, stand auf der Maximilianstraße und schaute Richtung Kammerspiele.

Es gab...