Ein gutes Maß an Idiotie
Wenn im Juli und August die Temperaturen in für englische Verhältnisse abenteuerliche Höhen steigen, gönnen sich viele erschöpfte Theatermacher die wohlverdiente Sommerpause. Für Kneehigh Theatre aus Cornwall beginnt dann gerade eine seiner intensivsten Arbeitsphasen.
Denn zu welcher Zeit stünden die Chancen günstiger, dem englischen Regen zu entkommen, wenn man Theater auf einer Schafswiese spielt? Oder auf abschüssigen Klippen? Oder in halb unter Wasser stehenden Steinbrüchen? Oder im Wald, am Meer, im Meer, auf Bäumen, in Erdlöchern? In den 25 Jahren seines Bestehens hat das Trüppchen aus Truro auf dem Weg vom lokalen Geheimtip zum international tourenden Exportartikel eine Vorliebe für ungewöhnliche Theaterorte gepflegt. Wenn sie nicht gerade in die doch unbestreitbar konventionellen Räume des Royal National Theatre geladen werden. Wie kürzlich mit «Tristan & Yseult», ihrer – sehr – eigenen Version des mittelalterlichen Epos- und mitteljungen Opernstoffes «Tristan und Isolde».
Auch dies Stück begann sein Leben unter freiem Himmel, im Sommer 2003 in Restormel Castle und Rufford Abbey. Dieses Jahr buchte es National-Intendant Nick Hytner in sein Cottesloe Studio, doch trotz Dach ...
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Fritz hat Christine an die Wand gedrückt. Rums. Keuchend küsst er sie hysterisch ab, klebt sich an ihren Körper, der wie leblos alles über sich ergehen lässt. Wild wirft er ihre Arme nach oben über ihren Kopf, doch statt in rasende Verzückung zu verfallen, lässt sie ihre Arme teilnahmslos und schlaff einfach wieder an ihrem Körper nach unten sinken. Fast schon...
Im deutschen Wald riecht es würzig. Fledermäuse schießen durch die Sommerabendluft, und der aufgehende Vollmond gießt milchiges Licht über die grasbewachsenen Militärflugzeughangars, deren Pforten so aussehen, als fange dahinter die Unterwelt an. Doch der schwarzromantische Schein der Idylle trügt. Im Wald von Neuhardenberg ist die Kunst ausgebrochen.
Ein Muezzin...
An einem bedeckten Sonntagvormittag im Juli auf dem Grazer Hauptplatz. Ein paar Wurstbuden und Cafés haben schon geöffnet, aber das kann nicht der Grund sein, warum sich eine ansehnliche Menschenmenge in Schwarmformation kreuz und quer über den Platz bewegt. Schaut man genauer hin, entdeckt man einen schmächtigen Mann mit Brille, Baskenmütze und blauem...
