Ein gutes Maß an Idiotie
Wenn im Juli und August die Temperaturen in für englische Verhältnisse abenteuerliche Höhen steigen, gönnen sich viele erschöpfte Theatermacher die wohlverdiente Sommerpause. Für Kneehigh Theatre aus Cornwall beginnt dann gerade eine seiner intensivsten Arbeitsphasen.
Denn zu welcher Zeit stünden die Chancen günstiger, dem englischen Regen zu entkommen, wenn man Theater auf einer Schafswiese spielt? Oder auf abschüssigen Klippen? Oder in halb unter Wasser stehenden Steinbrüchen? Oder im Wald, am Meer, im Meer, auf Bäumen, in Erdlöchern? In den 25 Jahren seines Bestehens hat das Trüppchen aus Truro auf dem Weg vom lokalen Geheimtip zum international tourenden Exportartikel eine Vorliebe für ungewöhnliche Theaterorte gepflegt. Wenn sie nicht gerade in die doch unbestreitbar konventionellen Räume des Royal National Theatre geladen werden. Wie kürzlich mit «Tristan & Yseult», ihrer – sehr – eigenen Version des mittelalterlichen Epos- und mitteljungen Opernstoffes «Tristan und Isolde».
Auch dies Stück begann sein Leben unter freiem Himmel, im Sommer 2003 in Restormel Castle und Rufford Abbey. Dieses Jahr buchte es National-Intendant Nick Hytner in sein Cottesloe Studio, doch trotz Dach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die zahlreichen Begegnungen mit den jeweils neuen Profilen des schwedischen Dramatikers Lars Norén hatten fast den Schock vergessen lassen, der auch viele deutsche Bühnen erfasste beim ersten Blick auf die Fantasien in Noréns Theater der Psychopathologie. «Nachtwache» war ein Teil davon – im Rückblick und mit dem Abstand von gut zwanzig Jahren interessiert...
Clifford Odets taucht in Schauspielführern nur als Fußnote auf, und sein größter persönlicher Erfolg war wahrscheinlich, dass er vom Femegericht McCarthys frei gesprochen wurde, obwohl er vor dem Zweiten Weltkrieg eindeutig Sympathisant der amerikanischen Kommunistischen Partei gewesen war. Zu dieser Zeit hatte er in New York eine Off-Bühne namens «Group Theatre»...
Es lohnt sich, die Geschichte noch einmal ganz schnell und von vorn zu erzählen. Denn sie beginnt mit einem Motto, das sich die Kunst-Biennale in Sao Paulo für die Ausgabe des vorigen Jahres gab: «Terreiro livre», was frei übersetzt in etwa «Niemandsland» bedeutet und diesen Stadt-Raum akkurat beschreibt. Das Goethe-Institut vor Ort, zentral zuständig für das...
