Herzrasen für die Ohren

Ein Gespräch mit Andrea Gerk, der Gründerin und Regisseurin des kleinen, feinen Berliner Audioverlags «herzrasen» über Hörtheater, inszenierte Monologe, Gedränge auf dem Markt und weshalb man Kafka am besten im Liegen spricht

Theater heute - Logo

Thomas Irmer Gerade erscheint «Amerika» als zweiter Teil einer Kafka-Trilogie mit Philipp Hochmair, dessen «Werther!» (nach Nicolas Stemanns Bühnenversion) vor zwei Jahren die Gründungs-CD beim Label «herzrasen» war. Herzrasen – der Name wirkt etwas irritierend für einen Audio-Verlag.

Stehen Sie nicht mit den Monologen nach Kafkas Romanen, die Sie zusammen mit Philipp Hochmair entwickelt und aufgenommen haben, dem Theater fast näher als dem Hörbuch? 

Andrea Gerk Der Name ist Programm, denn der Verlag ist wirklich eine Herzensangelegenheit, und tatsächlich machen wir auch nur Sachen, die das Herz rasen lassen, also Stoffe, die etwas mit Ausnahmezuständen und Grenzerfahrungen zu tun haben. Wir wollten im Zwischenbereich zwischen Lesung und Hörspiel etwas Neues finden. Der klassische Vortrag eines Buches oder das mehrstimmige, dialogische Hörspiel sollten es von vornherein nicht sein. Das Monologische, was wir machen, setzt ja so eine Art Kopftheater in Szene – und das bei jedem einzelnen Hörer, also ganz individuell. Bei zwei oder mehr Stimmen hat man unwillkürlich das Bedürfnis, diese Leute zu sehen, um sich nicht ausgeschlossen zu fühlen. 

Irmer Ihr Kafka-Protagonist Philipp ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 65
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der kommende Schrott

Im deutschen Wald riecht es würzig. Fledermäuse schießen durch die Sommerabendluft, und der aufgehende Vollmond gießt milchiges Licht über die grasbewachsenen Militärflugzeughangars, deren Pforten so aussehen, als fange dahinter die Unterwelt an. Doch der schwarzromantische Schein der Idylle trügt. Im Wald von Neuhardenberg ist die Kunst ausgebrochen. 

Ein Muezzin...

Im Morgengrauen der Saison

Was gibt es Schöneres, als am Vorabend der neuen Saison in den Spielplanheften zu blättern und all die aufwühlenden, inhaltsreifen, gedankenschweren Sätze auf sich wirken zu lassen? So ein Spielplan aus Shakespeare und Schiller, Goethe und Kleist, Horváth und Büchner, Gegenwartsdramatik und Deutscher Erstaufführung will ja nicht nur vor Ensemble und Publikum...

So much Geschlechtertrouble!

In einer der nettesten Szenen des Films sind der Held und die Heldin aufs Land geflohen, versuchen dort im milchigen Gegenlicht Sex zu haben – und taumeln dabei von Leidenschaftsanfall zu Lachattacke. Wer spielt den Mann und wer die Frau? Das schöne Pärchen konkurriert nicht nur erbittert um große Bühnenrollen, sondern begehrt auch zwischen weißen Cottage-Laken...