Von Brasilien nach Deutschland und zurück
Es lohnt sich, die Geschichte noch einmal ganz schnell und von vorn zu erzählen. Denn sie beginnt mit einem Motto, das sich die Kunst-Biennale in Sao Paulo für die Ausgabe des vorigen Jahres gab: «Terreiro livre», was frei übersetzt in etwa «Niemandsland» bedeutet und diesen Stadt-Raum akkurat beschreibt.
Das Goethe-Institut vor Ort, zentral zuständig für das deutsche Kulturprogramm in ganz Südamerika, lud die deutsche Dramatikerin Dea Loher ein, ein Stück in und womöglich auch über Sao Paulo zu schreiben, das am Hamburger Thalia Theater uraufgeführt und danach als Gastspiel nach Brasilien (und zur Eröffnung eben dieser Biennale) eingeladen werden sollte. «Das Leben auf der Praça Roosevelt», so heißt das Stück, reiste also zunächst als fremde Fantasie und im Kopf der Autorin von Brasilien nach Deutschland, dann, als fertige Inszenierung von Andreas Kriegenburg, wieder nach Sao Paulo zurück; und wurde in diesem Jahr auch zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Jetzt aber ist es endgültig dort angekommen, wo es entstand: auf der Praça Roosevelt in Sao Paulo und in einer Inszenierung des winzigen Theaterchens, das sich «Espaco Os Satyros» nennt und in fünf schwierigen Jahren ...
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Die zahlreichen Begegnungen mit den jeweils neuen Profilen des schwedischen Dramatikers Lars Norén hatten fast den Schock vergessen lassen, der auch viele deutsche Bühnen erfasste beim ersten Blick auf die Fantasien in Noréns Theater der Psychopathologie. «Nachtwache» war ein Teil davon – im Rückblick und mit dem Abstand von gut zwanzig Jahren interessiert...
Fritz hat Christine an die Wand gedrückt. Rums. Keuchend küsst er sie hysterisch ab, klebt sich an ihren Körper, der wie leblos alles über sich ergehen lässt. Wild wirft er ihre Arme nach oben über ihren Kopf, doch statt in rasende Verzückung zu verfallen, lässt sie ihre Arme teilnahmslos und schlaff einfach wieder an ihrem Körper nach unten sinken. Fast schon...
Der junge wilde Dichter in der ersten Reihe macht einen ausgesprochen adretten Eindruck. Er ist gekämmt und rasiert, er trägt Anzug und sogar Krawatte. Im Grazer Schauspielhaus haben sie gerade sein Stück «Magic Afternoon» gespielt, das Fernsehen ist da, und der joviale Moderator will vom jungen Autor jetzt wissen, was denn der Titel zu bedeuten habe. Dumme Frage,...
