Ein g’standenes Weibsbild
Wieder ein Abschied – diesmal für immer. Bei der Premiere von Dieter Dorns jüngster Inszenierung spielte sie noch mit – als Kunigundens alte Tante in Kleists «Käthchen von Heilbronn». Als sich das legendäre Dorn-Ensemble dann Ende der Spielzeit ein letztes Mal auf der Bühne des Bayerischen Staatsschauspiels versammelte, um sich darauf in alle Winde zerstreuen, war sie schon nicht mehr dabei, und am 5. August ist Jennifer Minetti, seit 1977 und bis zuletzt Teil dieser tollen Truppe, dann im Alter von 71 Jahren in Bad Aibling gestorben.
Vom Aufhören gesprochen hatte sie oft, der Garten in Savoyen lockte als blühende Verheißung von Ruhe und Rentnerglück, aber das Temperament und die Lust am Sprachwerk hielten sie immer wieder zurück. Geboren 1940 in Berlin als Tochter des damals schon berühmten Bernhard Minetti, war das Theater ihr von Anfang an vertrauter Lebensraum. Nach etwas Schauspielunterricht durchstreifte sie in den 1960er Jahren di Provinz, um dann während der 1980er und 1990er an den Münchner Kammerspielen eine neue Heimat und in den Stücken von Thomas Bernhard und Werner Schwab das ihrem neugierigen Naturell entsprechende Sprachfutter zu finden. Unvergesslich ihre Auftritte ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Silvia Stammen
Pläne der Redaktion
«Kein Licht.» heißt das neue Stück von Elfriede Jelinek nach der Katastrophe von Fukushima. Gibt es menschliche Schuld, oder hat die Natur mit Erdbeben und Tsunami einfach «übertrieben leidenschaftlich» reagiert? Der Stückabdruck und mehr über Karin Beiers Kölner Uraufführung im nächsten Heft
Die Münchner Kammerspiele stechen in ihre zweite...
Gegen die Idee gibt es gar nichts einzuwenden: die amerikanischen Großstadtneurotiker aus Woody Allens Film «Husbands and Wives» mit Tschechows russischen Landneurotikern aus der «Möwe» zu vermengen. Zweimal in Lethargie und erotischen Projektionen auf blutjunge Mädchen dahinsiechendes Bildungsbürgertum, larmoyante Dekadenz des Geistes und der Glieder, lange...
Aufführungen
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