Bewusstseinsüberwältigungsmaschine
Mit «Under my thumb» von den Rolling Stones, der Hymne der Frauenunterdrücker, beginnt der Abend. Ein Ekel ist dieser «Er». Ein egomaner Choleriker. Kümmert sich nicht um sein Kind und wirft seiner Frau vor, sie sei schuld daran, dass es nicht spricht.
Der Held und Erzähler von Rolf Dieter Brinkmanns 1968 veröffentlichtem Roman «Keiner weiß mehr» ist (seinem Autor zum Verwechseln ähnlich) ein scheiternder Rebell, einer, der weiß, dass er an sich selbst scheitert.
Das Faszinierende an ihm ist seine uneitle Selbstentblößung und seine Unnachgiebigkeit, seine berserkerhaft wütende Selbstanalyse zwischen unflätigen Ausfällen gegen alle, die ihm nahestehen – und dass er nicht nachlässt in seinem Versuch, mit den anderen Menschen irgendwie doch zu Rande zu kommen. Der Roman hat kaum Handlung, kaum Figuren, keinen Dialog, viele mit provokativer Detailgenauigkeit geschilderte Sexszenen – keine leichte Vorlage für das Theater. Die Kölner Dramaturgie und der Regisseur Stefan Nagel scheinen auch die ersten zu sein, die auf die Idee kamen, dieses in Köln spielende Monstrum aus den wilden Sechzigern auf die Bühne zu bringen.
Die Inszenierung beginnt so unauffällig wie möglich. Der Romantext ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Gerhard Preusser
Sonntag, 2.
10.00, arte: Der Hässliche – von Marius von Mayenburg, mit Frédéric Cherboeuf, Delphine Cogniard u.a., Regie Denis Caiozzi. Aufzeichnung aus dem Théâtre de Grenoble (2011)
Montag, 3.
13.05, arte: Max Frisch, Citoyen – französischer Dokumentarfilm (2008) von Matthias von Gunten
16.15, arte: Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben – Fernsehfilm (2009) von Michael...
Gegen die Idee gibt es gar nichts einzuwenden: die amerikanischen Großstadtneurotiker aus Woody Allens Film «Husbands and Wives» mit Tschechows russischen Landneurotikern aus der «Möwe» zu vermengen. Zweimal in Lethargie und erotischen Projektionen auf blutjunge Mädchen dahinsiechendes Bildungsbürgertum, larmoyante Dekadenz des Geistes und der Glieder, lange...
Vielleicht sollte man Macbeth einmal zur Abwechslung als frühen Kulturkritiker verstehen. Jedenfalls befindet er sich im dritten Akt, vierte Szene, an einem ungewöhnlichen Punkt der Erkenntnis. Er hat an dieser Stelle des Dramas bereits König Duncan und dessen Diener erstochen, um sich selbst die Krone aufzusetzen, dann den Freund Banquo ermorden lassen, andere...
