Zum Tod von Maria Becker

Theater heute - Logo

Maria Becker, links als Elisabeth in «Maria Stuart» 1986, war eine «Königin im Formenreich», so der Kritiker Gerhard Stadelmaier: «Die Formen, die sie unnachahmlich herstellte, wurden ihr eigentlich mehr zu Partnern als die jeweiligen Kollegen, mit denen sie auftrat.

Es ging ihr, der herb Schönen, der mokant Unnahbaren, szenisch nichts wirklich nahe.» Man hat sie eine «Grande Dame» genannt und eine «große Tragödin»; sie spielte die Elisabeths, Maria Stuarts, Penthesileas, Elektras und Irmas ihrer Zeit, der 40er, 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

Geboren 1920 in Berlin, emigrierte sie 1936 mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Maria Eis, die wegen ihrer jüdischen Abstammung nicht mehr auftreten durfte, zunächst nach Wien, dann auf der Flucht vor der NS-Diktatur nach Zürich. Dort gehörte sie bald zum legendären Emigranten-Ensemble des Schauspielhauses, dem sie bis zuletzt verbunden blieb.

Sie spielte in Inszenierungen von Leopold Lindtberg, Oskar Wälterlin, Bertolt Brecht (1943 in der Uraufführung «Der gute Mensch von Sezuan»), Leonard Steckel, Heinz Hilpert und Werner Düggelin. 1956 gründete sie mit ihrem Mann Robert Freitag und Will Quadflieg ein Tourneetheater und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Magazin: Nachruf, Seite 60
von

Weitere Beiträge
Schmerzdame

Das erste Lothar-Gesicht, an das ich mich heute noch genau erinnere, gehört der gut zwanzigjährigen Suse. Sie spielt in Tankred Dorsts «Eisenhans» (1983) die behinderte Marga, die von ihrem Vater geliebt und miss­braucht wird. Ein fatales Familiendrama aus dem Frankenwald, mit allen inzwischen aus Soaps und Reality-TV geläufigen, damals jedoch noch verstörenden...

Johnny Zoss und das böse Virus

Auf die Idee hätte schon längst mal jemand kommen können: Im heißen Herzen der angesagtesten Kreativmeilen der Hauptstadt, wo nur die hipsten Hipster der internationalen Kunstszene operieren, also ungefähr ziemlich genau in der Pappelallee 15 am Prenzlauer Berg, wütet ein gefährliches Mainstream-Virus, das alle Gehirne infiltriert. Dieser phonetisch unscharfe...

Ausgewachsen

Wir müssen das alles leider leider leider neu erfinden», beendet Fabian Hinrichs mit achselzuckendem Bedauern seinen Endlosmonolog. In virtuoser Langatmigkeit hatte der Schauspieler die große Schöpfungs­geschichte des zivilisatorischen Fortschritts ausgebreitet. Dabei sind die «100 wichtigsten Erfindungen der Menschheit» zu einer Nummernfolge zusammenhangloser...