Thomas Köck; Foto: picture alliance/dpa
Ein Erbe steht an
Eine Nacht in ferner Zukunft: ein schlafloses Kind vor einem Bildschirm. Auf dem Screen eine Reportage über vergangene Zeiten. Archäologen haben eine spektakuläre Entdeckung gemacht: Tief vergraben im Wüstensand stießen sie auf ein seltsames Bündel von Blättern, Dokumente einer längst untergegangenen Kultur. Aber die Wissenschaftler können dieses prähistorische Buch nicht lesen, es ist in einer Sprache verfasst, die in keiner Weise mit irgendeiner bisher bekannten verwandt ist. Eine vollkommen fremde Grammatik.
Bisher hatten doch alle Sprachen ein klar definiertes Tempus. Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft: Simultanität war ausgeschlossen. Ein Satz hatte eine Richtung, zielte auf eine Aussage, doch nicht so in dieser Sprache.
Wie ließe sich ein Text, der so viel Aufschluss über eine fremde Kultur geben könnte, bloß übersetzen? Schließlich finden die Forscher eine Frau, die vielleicht als letzte noch Lebende das Buch lesen könnte. Kettenrauchend beginnt die alte Dame, von der Vergangenheit zu berichten, schmunzelnd erzählt sie von einer anderen Welt. Von einer Kultur, die keine Differenz zwischen Zukunft und Gegenwart oder Vergangenheit kennt. Ein Kosmos der Gleichzeitigkeit, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 168
von Tobias Schuster
I would like to think that today we are living the imaginaries of those, who have been long gone», sagte Angela Davis vor kurzem bei einem Auftritt in London. Damit bezog sie sich auf Antonio Gramscis Aussage vom Pessimismus des Intellekts und Optimismus des Willens und sprach weiter: «Yes, we have always to believe that ultimately we will be able to change the...
Vor ein paar Tagen saß ich mit der Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe zusammen, um über die «General Assembly» zu sprechen, die wir im November in Berlin veranstalten: den Entwurf eines Weltparlaments, das drei Tage dauern wird, mit 60 Abgeordneten aus der ganzen Welt, einem Ältesten- und einem Expertenrat, zu dem auch Chantal gehören wird. Dieser Rat wird am...
Es geht um Macht. Der SPD-Kanzlerkandidat verspricht im Falle seines Sieges, die Normalverdiener entlasten und die Reichen zur Kasse bit-ten zu wollen. Kathrin Rögglas Stück «Normalverdiener» zeigt eine Welt, in der so ein Versprechen als anachronistisch entlarvt werden muss, weil die große sozialdemokratische Erzählung nicht mehr verfängt und der Kapitalismus in...
