Ein Bus wird kommen
Das Leben in der Provinz, ein Bild, das überall erstaunlich ident aussieht: Man hängt mit Freunden ab, grillt in der Gartenlaube, trinkt zu viel Dosenbier, um dann, je nach Temperament, melancholisch zu werden oder sich zu prügeln. Und davon zu träumen, endlich alles hinter sich zu lassen und den nächstbesten Bus in die Hauptstadt zu nehmen. Nach Moskau!
Oder nach Prag, wie im Fall des 18-jährigen Schülers Zdenek Adamec aus der böhmischen Kleinstadt Humpolec. Ein Bus brachte ihn am 6.
März 2003 tatsächlich auf den Wenzelsplatz, wo sich der junge Mann mit Benzin übergoss und anzündete. In seinem Abschiedsbrief kritisierte er den Zustand der Welt und schloss mit den Worten: «Bitte, macht keinen Irren aus mir!» In der Geschichtsschreibung wurde dieser tschechische Märtyrer weitgehend vergessen, Peter Handke setzte ihm mit seinem Stück «Zdenek Adamec» (2020) ein spätes Denkmal.
Sympathie für Spinner
Zur Saisoneröffnung gab Frank Castorf, der ja eigentlich Gegenwartsdramatik meidet wie der Teufel das Weihwasser, am Burgtheater sein Handke-Debüt. Das Überraschende daran: Während mehr als vier Stunden Spielzeit zeigt Castorf viel Sympathie für Handkes poetische Annäherung an einen ...
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Theater heute November 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Karin Cerny
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Als ich vor neun Jahren nach Berlin kam, hieß eine der ersten Empfehlungen: «Du musst das k-fetisch auschecken.» Auf der Internetseite des k-fetisch schreiben die Mitglieder des Kollektivs: «Wir alle teilen einen feministischen und anti-rassistischen Grundkonsens. Unsere diversen politischen Überzeugungen sind in diesen Laden geflossen und werden auch immer mal...
Immer wieder liegt derselbe Stolperstein im Weg, Skepsis und Zweifel beunruhigen, verunsichern und hemmen immer wieder neu. «Warum ich?», fragt sich Anja Herden jetzt, wo sie erzählen soll von sich selbst. «Bin wirklich ich gemeint?» Oder geht es wieder um den «Diskurs», zu dem sie nun mal gehört und für dessen Beglaubigung sie womöglich gerade herhalten soll....
