Ein Bus wird kommen

Frank Castorf inszeniert Peter Handkes Selbstmörder-Stück «Zdenek Adamec» am Burgtheater und Elfriede Jelineks Corona- Reflexion «Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen!» am Akademietheater. Simon Stone versetzt Maxim Gorkis «Komplizen» in die Wiener Gegenwart

Theater heute - Logo

Das Leben in der Provinz, ein Bild, das überall erstaunlich ident aussieht: Man hängt mit Freunden ab, grillt in der Gartenlaube, trinkt zu viel Dosenbier, um dann, je nach Temperament, melancholisch zu werden oder sich zu prügeln. Und davon zu träumen, endlich alles hinter sich zu lassen und den nächstbesten Bus in die Hauptstadt zu nehmen. Nach Moskau! 

Oder nach Prag, wie im Fall des 18-jährigen Schülers Zdenek Adamec aus der böhmischen Kleinstadt Humpolec. Ein Bus brachte ihn am 6.

März 2003 tatsächlich auf den Wenzelsplatz, wo sich der junge Mann mit Benzin übergoss und anzündete. In seinem Abschiedsbrief kritisierte er den Zustand der Welt und schloss mit den Worten: «Bitte, macht keinen Irren aus mir!» In der Geschichtsschreibung wurde dieser tschechische Märtyrer weitgehend vergessen, Peter Handke setzte ihm mit seinem Stück «Zdenek Adamec» (2020) ein spätes Denkmal.

Sympathie für Spinner

Zur Saisoneröffnung gab Frank Castorf, der ja eigentlich Gegenwartsdramatik meidet wie der Teufel das Weihwasser, am Burgtheater sein Handke-Debüt. Das Überraschende daran: Während mehr als vier Stunden Spielzeit zeigt Castorf viel Sympathie für Handkes poetische Annäherung an einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2021
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Karin Cerny

Weitere Beiträge
Globaler Klimastreik

Burkhard C. Kosminski hat sich für sein Klimawochenende zur Saisoneröffnung als neues Stück «Ökozid» vorgenommen, nach dem gleichnamigen Film von Andres Veiel und Jutta Doberstein, der im November 2020 im Rahmen einer ARD-Themenwoche im Fernsehen ausgestrahlt worden war. Der Plot ist fiktiv und spielt in der nahen Zukunft. Man schreibt das Jahr 2034. Die...

Ein Fall von Optimismus

Am Ende des dreitägigen Bundesforums waren die Impulse vom Anfang fast vergessen. Die Rede der Dramatikerin Sivan Ben Yishai (abgedruckt auf den vorigen Seiten) beispielsweise, die ihre Überlegungen zum «Skript» mit dem zu diesem Zeitpunkt noch erwartungsvollen, aufnahmefähigen Publikum teilte. Sie mahnte, dass die bevorstehende Konferenz – ebenso wie all die...

Premieren 11/21

AACHEN, THEATER
19. Sartre, Die schmutzigen Hände
R. Sebastian Martin
20. nach Lindgren, Die Brüder Löwenherz
R. Ewa Teilmans

AALEN, THEATER DER STADT
21. Ebel, Ox & Esel – Eine Art Krippenspiel
R. Winfried Tobias

ALTENBURG/GERA, TPT
7. Trask, Hedwig and the Angry Inch
R. Louis Villinger
12. nach Christie, Die Mausefalle
R. Jörg Steinberg
25. nach den Gebrüdern...